Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der psychopathologischen Untersuchungs-Methoden
Person:
Sommer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18676/104/
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Analyse der directen Allsdrucksbewegungen. 
die zugrunde liegenden Aenderungen in der Erregung der Nerven- 
substanz durch Studium der motorischen Entladungen zu erforschen 
(cfr. 1. c. pag. 573). Somit concentrirten sich alle diese Ueberlegungen 
um die eine physiologisch-technische Aufgabe, ein möglichst 
feines Reagens auf die minimalsten Bewegungen speciell 
an der Hand des Lebenden zu schaffen. 
Wenn es nun galt, diese feinsten Bewegungen der Hand ent¬ 
sprechend ihrem wirklichen Verlauf sichtbar zu machen und fest¬ 
zuhalten, ohne einzelne Componenten auszuschalten, so waren wesent¬ 
lich drei physikalische Gesichtspunkte zu beachten: 
1. Die einzelnen Bewegungen der Hand so zu zerlegen, dass 
die Excursionen in den drei Dimensionen gesondert übertragen 
und zur Anschauung gebracht werden. 
2. Die Reibung so zu vermindern, dass die allerfeinsten 
Bewegungen übertragen werden. 
3. Die Excursionen so zu multipliciren, dass sie vom 
Auge des Beobachters leichter erfasst werden. 
Vor allem schien mir die dreidimensionale Analyse als erstes 
Erforderniss einer exacten Messung von Ausdrucksbewegungen, weil 
jede zweidimensionale Darstellung der complicirten Bewegungen 
eines Lebenden die Ausschaltung einer Kraft- und Raumcomponente 
bedeutet.1) An einem vertical hängenden und bei dem Reiz in 
seiner Hauptaxe zuckenden Froschmuskel mag die zweidimensio¬ 
nale Darstellung zur Noth genügen : Die Bewegungen eines von 
Willensimpulsen bewegten Gliedes gehen mit seltenen Ausnahmen 
nie in einer Ebene vor sich. Der Uebergang zum lebendigen 
Object bedingt hier eine complicirtere Untersuchungs¬ 
methode. Nur eine dreidimensionale Methode kann diesem 
gerecht werden. 
Der aus diesen Motiven nach vielfachen Versuchen und Aende¬ 
rungen schliesslich hervorgegangene Apparat 2) hat folgende Be- 
standtheile (cfr. Fig. 55): 
A. Ein Sttitzgerüst 
und zwar A, ein Bodenstück (aus Holz oder Eisen), welches fest auf der 
Unterlage (dem Tisch) aufruht. Vorn und hinten ist an diesem Bodenstück 
je ein Träger (A.2 und A3) angebracht. Der hintere davon ist höher als 
der vordere und dient als Träger einer Schlinge, in welcher der Arm des 
J) Erst nach Fertigstellung meines Apparates im Sommer 1895 habe ich durch 
Herrn Dr. Ztcaardemaker in Utrecht erfahren, dass Herr Dr. Wertheim Salomonson sich 
schon mit dem gleichen Problem der Zerlegung einer Bewegung in die drei Dimensionen 
beschäftigt lind hierzu Marey’sehe Trommeln verwendet hat. Salomonson sagt (siehe 
Bijdrage tot de Kennis van het Beven. Ned. Tijdschrift voor Geneesknnde, 1894, Deel I, 
Nr. 1): Wij knnnen nog verder gaan, en drie trommels loodrecht op elkaar plaatsen. 
Hierdoor zou men elke beweging in de mimte können registreeren. Ich weise hiermit 
auf Herrn Dr. Salomonson als den früheren Erfinder in principieller Beziehung hin. 
Die völlige Verschiedenheit in der Art der Lösung springt jedoch ins Auge. Zudem 
übertrifft der im folgenden beschriebene Hebelapparat den Salomonson'sehen an Em¬ 
pfindlichkeit beträchtlich. 
2) Meine Idee wurde zuerst von Herrn Schmidt, Mechaniker in Giessen (Selters¬ 
weg), im einzelnen ausgeführt. Der Apparat wurde dann von Herrn Hempel, dem Mecha¬ 
niker der psychiatrischen Klinik in Giessen, verbessert, bis er schliesslich die gegen¬ 
wärtige Gestalt bekam.
        

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