Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Untersuchung des Pulses und ihre Ergebnisse in gesunden und kranken Zuständen
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18672/44/
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Methoden der Pulsschreibung. 
sich etwas erweitern, so dass nunmehr ein grösserer Theil des 
Druckes von der Arterienwand getragen wird. Man sieht, dass 
die sphygrnographische Curve sich nicht etwa nur um einen 
constanten Werth von der Blutdruckcurve unterscheidet, son¬ 
dern dass ein stets wechselnder Bètrag des Druckes von der 
Arterie compensirt wird und daher nicht zur Aufschreibung 
gelangt. Nun kann man aber mit gutem Rechte annehmen, 
dass diese durch die Arterienspannung und Gewebsspannung 
compensirten Werthe den Drücken selbst proportional sind. 
Die Dehnungscurve der elastischen Gebilde, auf die es hier 
ankommt, ist zwar im Allgemeinen nicht geradlinig; für kleine 
Dehnungen kann aber Geradlinigkeit mit grosser Annäherung 
angenommen werden und daraus folgt, dass die Aenderungen, 
welche die Ordinaten der sphygmographischen Curve zeigen, 
den Aenderungen des Druckes proportional sein müssen. Mit 
anderen Worten: die sphygrnographische Curve ist eine Blut¬ 
druckcurve, bei welcher aber der Maassstab, mit welchem die 
Ordinaten gezeichnet sind, unbekannt bleibt. Damit ist die Art 
der functionellen Abhängigkeit vom Blutdruck, welche oben 
nicht näher angegeben war, bestimmt und gleichzeitig gerecht¬ 
fertigt, wenn die sphygmographisch verzeichnten Pulse dem 
Geschleckte der Druckpulse zugezählt werden. 
Es ist indessen nicht aus den Augen zu lassen, dass der 
Spliygmograph auch noch von anderen Bewegungen beeinflusst 
wird und dass daher die erwartete Proportionalität nicht immer 
besteht. Indem ich absehe von Muskelbewegungen, welche 
meist leicht zu verhindern sind oder doch als solche erkannt 
werden können, bleiben hauptsächlich zwei Fehlerquellen zu 
berücksichtigen. 
a) Aenderungen der Lage oder Krümmung der Arterie. 
Stark geschlängelte Arterien verändern mit jedem Pulsschlage 
ihren Ort, wovon die Pulscurve in einer sehr complicirten und 
zunächst unbekannten Weise afficirt werden kann. Sehr auf¬ 
fallend werden die Störungen, wenn man die Arterie isolirt. 
Mit jedem Pulsschlag wölbt sich das Gefäss aus der Wunde 
heraus und schwingt als Ganzes, wodurch das Pulsbild sehr 
stark verunstaltet wird. Blosslegung der Arterie macht daher 
nicht, wie vielfach geglaubt wird, die Methode schärfer, sondern 
ist im Gegentheil als Fehler zu betrachten.
        

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