Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Untersuchung des Pulses und ihre Ergebnisse in gesunden und kranken Zuständen
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18672/257/
Die zeitliche Verschiedenheit des Pulses. 249 
sie angehöre, eine unzweideutige Terminologie erst zu schaffen, 
deren Aufgabe es sein wird, die zeitliche Aufeinanderfolge der 
einzelnen Theile sowie gewisse quantitative Verhältnisse zahlen- 
mässig festzustellen. Dahin zielende Vorschläge habe ich in 
früheren Abschnitten gemacht. 
Es kann als eines der gesichertsten Versuchsergebnisse 
betrachtet werden, dass die Pulsbewegung an den einzelnen 
Orten des Körpers nicht nur dem Umfange, sondern auch der 
Form nach verschieden ist. Diese Erscheinung wird zwar 
durch die Annahme von Wellenreflexionen genügend erklärt, 
sie enthüllt aber auch die ganze Verwickelung des Vorganges. 
Im Allgemeinen ist bisher bei der Deutung der Pulse zuviel 
auf das Herz und zu wenig auf die Arterien geachtet worden. 
Bei gleichem Anstoss vom Herzen her kann das Arterien¬ 
system den Puls in der mannigfaltigsten Weise umgestalten, 
durch Aenderung der Weite und Rigidität aller oder nur 
einzelner Gefässgebiete. Weitaus die meisten der sogenannten 
pathognomonischen Pulsformen entstehen auf diese Weise. 
Das Herz kann die in das Gefässsystem geschickte Welle 
kürzer, steiler, oder höher machen. Eine Aenderung in der 
Grundform der Welle ist aber, von der Aorteninsufficienz ab¬ 
gesehen, kaum beobachtet. 
Die ausserordentliche Verschiedenheit der Pulsformen 
wird also hauptsächlich bedingt durch die Art, wie die Welle 
im Arteriensystem sich ausbreitet, schnell oder langsam, in 
welche Zweige sie vornehmlich eindringt, in welchem Sinne sie 
und wie viel von ihr zurückgeworfen wird. Daraus folgt aber, 
dass, auf Grund der gegenwärtigen Kenntnisse, die Aussicht ge¬ 
ring ist, etwas zuverlässiges auszusagen über eine Pulsbewegung, 
welche nur an einem Orte des Gefässsystems beobachtet ist. 
Soll die Pulsschreibung mehr sein als ein interessanter Zeit¬ 
vertreib , so wird sich die Beobachtung auf mehrere Orte des 
Körpers, am besten gleichzeitig und womöglich mit verschie¬ 
denen einander ergänzenden Methoden ausdehnen müssen. 
Auf die Aufzählung der hierbei zur Verfügung stehenden 
instrumenteilen Hilfsmittel, sowie auf die Beschreibung geeig¬ 
neter Prüfungsverfahren habe ich besondere Sorgfalt ver¬ 
wendet. Der Mangel einer genügenden Kritik der Apparate 
ist es namentlich, welcher die Verwerthung der Pulslitteratur
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.