Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Untersuchung des Pulses und ihre Ergebnisse in gesunden und kranken Zuständen
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18672/224/
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Die zeitliche Verschiedenheit des Pulses. 
des Herzvagus nachweislich stattfindet und eine ähnliche 
Wirkung auf das Athmungscentrum nicht ausgeschlossen er¬ 
scheint, so liegt der G-edanke nahe, dass unter denselben Um¬ 
ständen auch eine Erregung des Gefässcentrums eintritt. Das 
Steigen des Blutdrucks am curaresirten Thier bei Kopfstellung, 
das Sinken bei' Beinstellung scheint für die Annahme zu 
sprechen. Dagegen ist anzuführen, dass die Aenderung des 
Drucks ganz plötzlich mit dem Lagewechsel eintritt und sich 
sogleich vermindert ; ferner dass der Blutdruck am nicht cura¬ 
resirten Thier bei Kopfstellung sinkt. Es ist oben angedeutet 
worden, dass letztere Erscheinung vielleicht in ähnlicher Weise 
auf reflectorische Beeinflussung des Gefässcentrums durch die 
abnorme Körperlage zurückzuführen ist, wie die veränderte 
Athmungsfrequenz. Die Bahnen dieses Reflexes könnten aber 
nicht im Vagus liegen, weil nach Durchschneidung desselben 
das Sinken des Drucks in Kopfstellung nicht aufhört. Auch 
tritt der Tiefstand des Blutdruckes sofort mit der neuen 
Stellung ein und vermindert sich sehr bald, was mit einem 
Reflex auf glatte Muskeln (Gefässmuskeln) schwer vereinbar 
ist. Die Erscheinung bedarf also noch der Aufklärung. 
Beim Menschen wird gleichfalls der Kreislauf in mehr¬ 
facher Weise durch die Körperstellung beeinflusst. Zunächst 
wurde man auf die Aenderung der Pulsfrequenz aufmerksam, 
welche im Liegen constant kleiner ist, als im Stehen. Beob¬ 
achtungen darüber existiren von M’Donnell und W. Aug. 
Guy. Letzterer gibt folgende Zahlen: 
Im Stehen 79 Pulse in der Minute. 
- Sitzen 70 
- Liegen 67 
Graves fand, dass die Wirkung noch grösser ist bei Kranken 
und Reconvalescenten. Nach Mare y (59 p. 212, 60 p. 340), 
welcher diese Beobachtungen mittheilt und bestätigt, rührt die 
grössere Pulszahl im Stehen von dem niedrigen Blutdruck her. 
In dieser Lage werde der arterielle Blutstrom nach dem Ab¬ 
domen und den Beinen durch die Schwere unterstützt und da¬ 
durch der Widerstand im arteriellen Stromgebiet herabgesetzt ; 
je geringer der Widerstand in den Arterien, desto niedriger 
der Druck und desto häufiger der Puls (p. 213). Diese Schluss¬ 
folgerungen sind in mehreren Punkten willkürlich. Bei den
        

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