Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Untersuchung des Pulses und ihre Ergebnisse in gesunden und kranken Zuständen
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18672/107/
Die Herzbewegung-. 
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aus einem sehr dünnen, aber doch ungemein widerstands¬ 
fähigen elastischen Gewebe, welches nur an der Befestigungs¬ 
stelle grössere Derbheit besitzt. Sie können daher fast in 
ihrer ganzen Ausdehnung an die Aortenwand angelegt werden 
und man hat vielfach geglaubt, dass dies durch den Blutstrom 
in der That geschehe. Die Untersuchung des arteriellen 
Ostium zeigt aber, dass, genau wie an dem venösen, beson¬ 
dere Einrichtungen vorhanden sind, wodurch die „Stellung“ 
der Klappen schon während des Einströmens des Blutes be¬ 
werkstelligt wird. Diese Einrichtungen sind: die Verengerung 
der Kammerhöhle unmittelbar vor den Klappen und die Er¬ 
weiterung der Aortenwurzel in Gestalt der Sinus Valsalvae. 
Um die Gestalt und Dimension der Ausflussöffnung der 
Herzkammer kennen zu lernen, muss man frische, noch nicht 
todtenstarre Herzen nach der früher beschriebenen Methode in 
maximaler Contraction härten. Man bemerkt dann, dass die 
Verkleinerung der Herzbasis durch die Ringmuskeln, auf deren 
Bedeutung schon mehrfach hingewiesen wurde, auch an den 
arteriellen Ostien zu wichtigen Umformungen führt. Während 
am gewöhnlichen Präparat die Klappen aus glatter Fläche zu 
entspringen scheinen, findet man am contrahirten Herzen dicht 
unter den arteriellen Mündungen starke, in das Lumen vor¬ 
springende Muskelwülste, auf welchen die Taschenklappen mit 
ihrem tiefsten Theile aufsitzen. Man vergl. Fig. 31. Die ge¬ 
nauere Präparation zeigt, dass die Wülste herrühren von Fasern, 
welche zum Theil unterhalb der Klappen durchziehen, also zu 
der Masse der Sphinktermusculatur gehören, zum anderen Theil 
aber von Meridionalfasern, welche im Grunde der Taschenklappen 
entspringen (v. Frey 16, Krehl 29). Es gilt dies namentlich von 
jenen Taschen der Pulmonalis und Aorta, welche der Scheide¬ 
wand der beiden Kammern anliegen. Contrahiren sich die 
Kammern, so werden die Klappen durch den Blutstrom nicht 
glatt gestrichen, sondern im Gegentheil in Folge der Wulstung 
des Taschengrundes in das Lumen vorgedrängt. Je weiter 
die Contraction fortschreitet, desto mehr verengert sich die 
Ventrikelhöhle, die arteriellen Mündungen werden durch die 
wulstartig vorspringenden Sphinkteren zu engen Spalten zu¬ 
sammengezogen, sodass der Blutstrom nicht in der vollen 
Breite des arteriellen Gefässes, sondern im stark zusammen- 
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