Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Theorie des Herzstosses und zur Deutung des Cardiogramm's
Person:
Rosenstein, S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18670/9/
Zur Theorie des Herzstosses und zur Deutung des Cardiogramms. 83 
auch nur unter den erwähnten Verhältnissen gesehen, vor Allem daher 
bei Insufficienz der Aortenklappen, nicht aber da, wo die Hypertrophie 
die Dilatation stark Uberwiegt und die höchsten Grade erreicht wie 
bei Stenose des Aortenostiums, oder in geringerem Grade bei den 
Hypertrophien in Folge von Vermehrung der peripheren Wider¬ 
stände. Dass der Spitzenstoss bei Stenose des Ostium venosum 
sinistrum ganz verschwinden kann, hängt zusammen mit der meist 
gleichzeitigen Atrophie des linken Ventrikels. Nur dann, wenn man 
den Stoss des Herzens ausser Zusammenhang mit der Bewegung der 
grossen Gefässe auffasst, ist sein Vorhandensein in einzelnen Fällen 
von Aneurysma der Aorta ascendens und des Arcus begreiflich, wo ein 
Theil der Wand des Sackes nur noch durch die knöcherne Brustwand 
und die sie bedeckenden Weichtheile gebildet wird und die Gefäss- 
wände durch hochgradiges Atherom alle Elasticität verloren haben. 
Wenngleich nun auch die Veränderungen des Herzstosses unter 
pathologischen Verhältnissen mit den zuvor erörterten Anschauungen 
nicht in Widerspruch stehen, so wird man doch geneigt sein, eine 
mehr entscheidende Bestätigung der einzelnen beim Zustandekommen 
des Stosses wirksamen Factoren von seiner graphischen Dar¬ 
stellung zu erwarten. _ 
Seitdem Mare y zuerst in seiner bahnbrechenden Arbeit den 
Herzstoss graphisch dargestellt hatte, ist das Cardiogramm Gegen¬ 
stand der sorgfältigsten Untersuchung von Seiten verschiedener For¬ 
scher gewesen. Aber weder das Bild, das die einzelnen Untersucher 
gezeichnet haben, ist bei Allen das gleiche gewesen, noch haben 
selbst die gleichen Bilder in ihren Einzelheiten durch die verschie¬ 
denen Beobachter gleiche Deutung erfahren. Es liegt nahe, die Ur¬ 
sache der differenten Bilder vielleicht in den verschiedenen Apparaten 
zu suchen, mittelst derer der Herzstoss registrirt wurde. Und in der 
That machen Einzelne, wie Galabin z. B. dem Cardiographen von 
Marey den Vorwurf, dass die Uebertragung des Stosses durch Luft¬ 
kissen und Schläuche zu Wellenbildungen und Eigenschwingungen 
Anlass gäbe, welche sich in Form von Erhebungen im Cardiogramm 
darstellen, die nicht den wirklichen Ausdruck der Herzbewegung dar¬ 
stellen. So weit ich nach eigener Erfahrung urtheilen kann, ist dieser 
Vorwurf unbegründet. Die mit den verschiedenen Apparaten gewon¬ 
nenen Bilder zeigen sämmtlich, wo sie gelungen sind, die gleiche 
Zahl von Einzelerhebungen wie die Marey’schen. Nur die mit dem 
Sphygmographen dargestellten Bilder drücken die Details weniger 
deutlich aus. Und zwar deshalb, weil, wie Traube schon erwähnt 
fi*
        

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