Bauhaus-Universität Weimar

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I). Ackermann, 
Die Tierwelt allein vermag diese Aufgabe der Überführung 
komplizierter Verbindungen in einfache nur in einem beschei¬ 
denen Malie zu erfüllen, einmal schon, weil die Menge der 
Tiere verschwindend ist im Vergleich zu der der Pflanzen, ab¬ 
gesehen davon aber würde dem Kreislauf des Stolîes allmählich 
immer mehr Material entzogen werden und zwar in Gestalt 
der Tierleiber, da ja ohne Bakterienwirkung eine endgültige Zer¬ 
setzung auch der tierischen Substanz nicht zu denken ist.1) 
So sehen wir denn, daß für den Prozeß der Verwandlung 
komplizierter Verbindungen in einfache nicht die Tiere, sondern 
die Bakterien das Wesentlichste sind. 
Die außerordentliche Wichtigkeit der durch Bakterien aus¬ 
gelösten Fäulnisvorgänge ist aber doch schon frühzeitig erkannt 
worden, und eine Reihe ausgezeichneter Forscher hat sich mit 
diesem so umfassenden Gebiet beschäftigt. Ich nenne hier nur von 
älteren Autoren die Namen Schwann, Schröder, von Dusch 
und Pasteur als Begründer der vitalistischen Auffassung des 
Fäulnisvorganges und von den Gegnern dieser Theorie Liebig, 
Iloppe-Soyler und Billroth. Trotz vieler und angestrengter 
Bemühungen sind indessen unsere Kenntnisse über die sich 
dabei nbspielcndcn chemischen Prozesse nicht allzu sehr gefördert 
worden. Namentlich sind wir zur Zeit noch über die inter- 
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mediären Stoflwechselprodukte, die sich im Laufe der Fäulnis 
bilden, nur wenig unterrichtet. 
Der Grund hierfür wird dem, der sich mit derartigen 
Untersuchungen beschäftigt, bald klar. Normalerweise spielt 
sich ja die Fäulnis auf tierischen oder pflanzlichen Geweben 
und Organen, in denen das Leben erloschen ist, ab; auf Ge¬ 
bilden, welche der Hauptsache nach aus Eiweißstoffen, Fetten, 
und Kohlehydraten bestehen, also aus Substanzen mit riesigem 
Molekül, die bei ihrer Auflösung in zahlreiche Bruchstücke zer¬ 
fallen müssen. Sucht man nun nach den intermediären Spal- 
•) Auf die Frage, ob tierisches Leben ohne Bakterien überhaupt 
möglich ist, will ich hier nicht näher eingehen. Siehe hierzu Thier¬ 
felder u. Nuttall, Diese Zeitschrift, Bd. XXI, S. 101); Bd. XXII, S. 62; 
Bd. XX1I1. S. 231. und ferner M. Schottolius. Archiv für Hygiene, 
Bd. XL», S. 48.
        

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