Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche mit dem Stanékschen Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Cholins
Person:
Kiesel, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18588/1/
Versuche mit dem Stanëkschen Verfahren zur quantitativen 
Bestimmung des Cholins. 
Yon 
A. Kiesel. 
(Aus dem agrikultur-chemischen Laboratorium des Polytechnikums in Zürich.) 
(Der Redaktion zugegangen am 9. Aug. 1907.) 
Die Mannigfaltigkeit der in lebenden Wesen enthaltenen 
chemischen Verbindungen ist bekanntlich eine sehr große. Jedes 
Verfahren, das uns ein Mittel an die Hand gibt, das in jedem 
Organismus enthaltene Stoffgemenge zu zerlegen, ist sehr schätz¬ 
bar, besonders wenn uns dieses Verfahren gestattet, die Tren¬ 
nung und Ausscheidung der betreffenden Substanzen quantitativ 
durchzuführen. 
Ein Vorzug, den eine neue Methode vor einer älteren 
haben kann, besteht darin, daß sie uns ermöglicht mit ein¬ 
facheren Mitteln und mit größerer Schnelligkeit zu arbeiten, 
sei es durch nicht erfordertes Entfernen einiger anderen Ver¬ 
bindungen, d. h. durch eine ganz spezielle Eigenschaft der 
Mittel nur auf den einen Körper, oder wenigstens nur auf eine 
eng begrenzte Gruppe von Körpern fällend oder lösend zu 
wirken, oder durch die geringere Zahl oder größere Bequem¬ 
lichkeit einander folgender Prozesse, die dann zum Schluß zur 
Gewinnung der reinen Substanz führen. Es ist auch ein großer 
Vorzug, wenn uns die neue Methode erlaubt mit derselben, 
oder vielleicht noch mit größerer Sicherheit und Genauigkeit 
bei geringerer Substanzmenge einen in derselben enthaltenen 
Körper qualitativ oder sogar quantitativ zu bestimmen. 
Zu den in den Organismen in großer Verbreitung vor¬ 
kommenden Körpern gehört bekanntlich das Cholin. Sein Nach¬ 
weis und seine quantitative Bestimmung sind von Wichtigkeit 
wegen der nahen Beziehung, in der das Cholin zu Lecithin 
steht, einem Körper, dessen hohe physiologische Bedeutung 
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