Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gicht und Schrumpfniere. Ausscheidung von Harnsäure und Purinbasen im Urine und im Kote des Gichtkranken bei Nierenstörungen
Person:
Tollens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18584/9/
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Tollens, 
Wert am 3. Tage schon auf 0,7 g, am 4. auf 0,59 g abge¬ 
sunken, trotz unveränderter Zufuhr in der Nahrung. Dadurch 
ist denn auch eine ganz erhebliche Retention eingetreten, die 
sich bei der Berechnung der zu erwartenden Ausscheidungs¬ 
werte als sehr beträchtlich herausstellen wird. 
Wie ist dieses Verhalten zu erklären? 
v. Noorden weist auf die Wahrscheinlichkeit hin, ähn¬ 
lich, wie beim Zuckerkranken gegenüber Zucker, möchte sich 
beim Gichtkranken eine gewisse Toleranz gegenüber Purin¬ 
körpern finden; solange der Höchstwert dieser Toleranz nicht 
überschritten sei, könne der Gichtkranke in dem Maße, wie 
ein Gesunder auf Purinkörperzufuhr reagieren und genügend 
Harnsäure ausscheiden. v. Noorden glaubt ferner, die Mög¬ 
lichkeit einer Steigerung dieser Toleranz durch lange Karenz 
von Purinkörpern möchte vielleicht vorhanden sein. 
Unser Gichtkranker hatte, wie oben erwähnt, wochen¬ 
lang streng diät, ohne Purinkörperzufuhr gelebt. Ich meine 
deshalb die Tabelle dahin auslegen zu dürfen: Dem Kranken 
ist bei der langen purinfreien Kost die Fähigkeit, exogene 
Harnsäure auszuscheiden, wie eine Reservekraft, aufgespeichert, 
vielleicht auch gewachsen. Durch die — therapeutisch gewiß 
nicht richtige — Überschwemmung des Körpers mit purinhaltigem 
Material ist diese Fähigkeit des Körpers aber rasch verbraucht, 
und die weitere Fähigkeit, exogene Harnsäure auszuscheiden, 
erheblich gestört. Das ganze Verhalten wäre analog dem des 
Diabetikers, bei dem auf längere Entziehung kohlenhydrathaltiger 
Kost eine bessere Assimilation für zuckerbildende Stoffe erfolgt, 
bei dem man aber auch durch allzu reichliche Darreichung von 
Kohlenhydraten Schaden anrichten kann. 
Im Laufe von 3 Tagen nach der Ernährungsperiode mit 
purinhaltiger Kost sinkt also die Harnsäuremenge wieder auf 
den vorher festgestellten endogenen Wert ab. 
Neben der Verlangsamung der Ausscheidung ist als typisch 
für den Gichtkranken die Harnsäureretention bei Zufuhr von 
Purinkörpern hingestellt. Der Gesunde scheidet erfahrungsgemäß 
gegen 50°/o des zugeführten Purinkörperstickstoffes als Stickstoff 
der Harnsäure aus; der Gichtkranke aber weniger. (Außer
        

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