Bauhaus-Universität Weimar

Über Spinnenseide. 
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schwindet dann ziemlich bald und diese löst sich allmählich auf. 
Bei einer kleinen Probe war nach 20 Minuten langem Kochen 
eine fast klare, gelbrote Flüssigkeit entstanden. 
Mit verdünntem Ammoniak übergossen färbt sich die 
Spinnenseide zunächst stärker orange; der Farbstoff geht aber 
schon bei gewöhnlicher Temperatur allmählich in die Lösung, 
welche rötlichgelb wird, und die Faser ist schließlich fast farblos. 
Ähnlich, nur etwas langsamer, wirkt kalte, wässerige Seifen¬ 
lösung. 
Verhalten gegen starke, kalte Salzsäure. 
Das gewöhnliche Seidenfibroin wird bekanntlich von rau¬ 
chender Salzsäure rasch gelöst und beim Eingießen der Lösung 
in Alkohol fällt ein amorphes, in Wasser fast unlösliches Produkt 
aus, das leicht chlorfrei erhalten werden kann und das von 
• • 
Th. Weyl1) den Namen Sericoin erhielt. Ähnlich verhält sich 
die Spinnenseide. Da aber die Lösung schwerer erfolgt, so ist 
es ratsam, mehr Salzsäure anzuwenden. 
2 g Spinnenseide wurden mit 15 ccm wässeriger Salzsäure, 
die bei 0° gesättigt war, übergossen und sorgfältig durchgerührt. 
Die Faser zerfiel bald, ihre Farbe verschwand und es entstand 
zunächst eine dicke, gallertige Masse, die allmählich dünnflüssiger 
wurde. Trotz sorgfältiger Mischung waren noch nach 20 Minuten 
einzelne gallertige Klumpen übrig. Die honiggelbe Lösung wurde 
deshalb abgesaugt und in 300 ccm absoluten Alkohol eingegossen, 
* • 
der amorphe Niederschlag abgesaugt, mit Alkohol und Äther 
gewaschen und im Vakuum über Natronkalk getrocknet. Das 
fast weiße Produkt, das in recht guter Ausbeute erhalten wird, 
enthält etwas Chlor, das aber beim Behandeln mit Wasser fast 
völlig in Lösung geht. Beim Kochen mit Wasser quillt es auf 
und bleibt größtenteils ungelöst ; die wässerige Lösung gibt dann 
mit Alkali und Kupfersalz eine schwache Biuretfärbung. Auch 
in kaltem, verdünntem Alkali ist das Produkt größtenteils un¬ 
löslich. Man könnte es Spinnen-sericoin nennen, da es höchst¬ 
wahrscheinlich zur Spinnenseide in demselben Verhältnis steht, 
*) Berichte d. Deutsch, chem. Ges., Bd. XXI, S. 1407 u. 1529 (1888). 
Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. LUI. 9
        

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