Bauhaus-Universität Weimar

Über Spinnenseide.1) 
Von 
Emil Fischer. 
(Aus dem Chemischen Institute der Universität Berlin.) 
(Der Redaktion zugegangen am 30. Juli 1907.) 
Der Hauptbestandteil der gewöhnlichen Seide, das soge¬ 
nannte Seidenfibroin, zeichnet sich vor den anderen Proteinen 
dadurch aus, daß es zum größeren Teil aus den einfachsten 
Aminosäuren Glykokoll und Alanin zusammengesetzt ist und 
außer ihnen in erheblicher Quantität nur noch Tyrosin und Serin 
• • 
enthält. Wegen der äußeren Ähnlichkeit lag die Vermutung 
nahe, daß die Spinnfäden ein verwandtes Material seien ; und es 
war deshalb längst mein Wunsch, sie einer genaueren chemischen 
Prüfung zu unterziehen. Aber ich bin bisher nicht in der Lage 
gewesen, eine ausreichende Menge in einem genügend hohen 
Grade von Reinheit zu sammeln, da die meisten Spinngewebe 
derart mit Insekten, Staub und anderen Fremdkörpern behaftet 
sind, daß eine Abtrennung unmöglich erscheint. 
Auf der Pariser Weltausstellung 1900 hatte ich nun 
Kenntnis erhalten von einem seideartigen Produkt (soie d’araignée 
de Madagascar), das von einer großen Spinne in Madagaskar 
herrührt. 
Ich habe mich längere Zeit vergeblich bemüht, eine größere 
Menge dieses Stoffes zu erhalten, bis es schließlich den eifrigen 
Bemühungen meines Freundes, des Herrn Ernest Fourneau 
in Paris, gelungen ist, mir ungefähr 200 g davon zu verschaffen. 
Sie stammen von der letzten französischen Kolonialausstellung 
in Marseille her und waren zum größten Teil aufgespult. Über 
9 Diese Abhandlung wurde der Berliner Akademie der Wissen¬ 
schaften am 16. Mai 1907 vorgelegt (Sitzungsberichte, Bd. XXIY, S. 440).
        

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