Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Kenntnis des Geschmackes. I. Mitteilung
Person:
Becker, C. Th. R. O. Herzog
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18553/1/
Zur Kenntnis des Geschmackes. 
I. Mitteilung. 
Yon 
C. Th. Becker und R. O. Herzog. 
(Aus dem chemischen Institut der Technischen Hochsçhule zu Karlsruhe.) 
(Der Redaktion zugegangen am i. Juli 1907.) 
Im folgenden sollen Versuche über die Geschmacksinten¬ 
sität chemisch ähnlicher Stoffe mitgeteilt werden. 
Bevor auf die Beschreibung der Versuche eingegangen 
wird, muß einiges über die Schwierigkeiten gesagt werden, 
die sie darbieten, im wesentlichen Schwierigkeiten psycho¬ 
logischer Art. Nachdem wir mit einer großen Zahl von Versuchs¬ 
personen gearbeitet hatten, zeigte sich, daß es erst nach Monate 
langer Übung in Sicherheit1) gelingt, an Tagen guter Disposition 
(die zunächst geprüft werden muß) zu regelmäßig reproduzier¬ 
baren Resultaten zu gelangen. Es handelt sich dabei besonders 
um Schulung des Gedächtnisses. Nur bei angestrengter Auf¬ 
merksamkeit gelingt es einigermaßen sicher, die Stärke zweier 
zeitlich getrennter, in der Intensität aber nahestehender Emp- 
D «Wenn ein Physiker ein Experiment macht, so muß er natürlich 
die größte Aufmerksamkeit auf den Gegenstand der Untersuchung richten ; 
dieser Gegenstand selbst verhält sich aber passiv. Dementsprechend stellt 
man sich vor, wenn ein psychologischer Experimentator A an einem 
v zweiten Beobachter B Versuche aufstellt, so verhalte sich dieser eben¬ 
falls passiv, ähnlich dem physikalischen Gegenstand, und es komme nur 
darauf an, gewisse objektiv wahrnehmbare Symptome, wenn auch unter 
Umständen mit Zuhilfenahme seiner eigenen Aussagen, an ihm festzu¬ 
stellen. Demnach nimmt man meistens noch weiter an, es komme zwar 
sehr darauf an, daß A ein geschickter Beobachter sei, zu einem Ver- 
suchsindividium B sei aber jeder brauchbar, ja es sei vielleicht ein in 
psychologischen Dingen unerfahrener Mensch am brauchbarsten, weil er 
sich im höchsten Grade der wünschenswerten Unbefangenheit erfreue. 
Diese Vorstellungsweise ist von Anfang bis zu Ende falsch, und ist nahezu 
eine Umkehrung des wirklichen Verhaltens.» (Wundt, Vorlesungen über 
Menschen- und Tierseele, 4. Aufl. (1906), S. 12.
        

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