Bauhaus-Universität Weimar

Zur Richtigstellung. 
Von 
Richard Burian. 
(Der Redaktion zugegangen am 15. Juni 1907.) 
Zu meinem Bedauern scheint sich Herr Steudel durch eine in 
meiner Arbeit über «Pyrimidinderivate aus Purinhasen»*) enthaltene 
kritische Bemerkung persönlich verletzt gefühlt zu haben. Die Art und 
Weise, in der Herr Steudel diesem Gefühle Ausdruck gibt,* 2) würde mich 
an einer Erwiderung verhindern, wenn ich mich nicht genötigt sähe, eine 
sachliche Richtigstellung vorzunehmen. 
Die erwähnte Bemerkung bezieht sich auf Versuchsergebnisse, durch 
die Steudel beweisen wollte, daß das Cytosin ein primäres, nicht von 
den Purinbasen abstammendes Spaltungsprodukt der Nucleinsäure sei. 
Steudel führte vier Nucleinsäurezersetzungsversuche mit verschiedenen 
Säuren aus und bestimmte in * jedem Falle die entstandenen stickstoff¬ 
haltigen Spaltungsprodukte. Was im speziellen die Purinbasenausbeute 
anbelangt, so gibt er bei einem Experimente (HJ-Spaltung) außer den für 
Guanin und Adenin gefundenen auch die für Xanthin und Hypoxanthin 
erhaltenen N-Zahlen an, während er bei zwei anderen Versuchen (Spal¬ 
tung mit HCl -j- SnCi2 resp. mit 33 °/o iger H2S04) bloß die Guanin- und 
Adenin-N-Werte verzeichnet, «weil die Alloxurbasenfraktion sowohl bei 
der Schwefelsäure- wie bei der Salzsäurespaltung einer quantitativen 
Bestimmung nach Abscheidung von Guanin und Adenin unerwartete 
Hindernisse in den Weg legte». «Aber größere Änderungen», so fügt 
Steudel hinzu, «wird die Aufarbeitung dieses Teiles, der übrigens nicht 
sehr bedeutend war, nicht mehr bringen, sodaß man wohl berechtigt 
ist, die entsprechenden Zahlen der drei Versuche miteinander zu ver¬ 
gleichen».3) Diesen Vergleich hat Steudel tatsächlich durchgeführt und 
zwar unter Heranziehung auch des vierten Versuches, in welchem er die 
Purinbasen durch Anwendung eines besonders eingreifenden Verfahrens 
vollständig zerstörte: es ergab sich, daß die Purinbasenausbeute in den 
verschiedenen Experimenten stark variierte, die Cytosinmenge dagegen 
in allen mehr oder weniger die gleiche war. Da also mit anderen Worten 
nicht bloß in den Versuchen mit sehr weitgehender Purinbasenzersetzung, 
sondern auch in den Experimenten, in denen Steudel eine nur gering¬ 
fügige Zerstörung der Purinbasen erzielt zu haben glaubte, sich reichlich 
Cytosin fand, so folgerte Steudel, daß das Cytosin der Nucleinsäure 
nicht von den Purinbasen der letzteren herstammen könne. 
‘) Diese Zeitschrift, Bd. LI, S. 438. 
2) Diese Zeitschrift, Bd. LI, S. 549. 
3) Diese Zeitschrift, Bd. XLUI, S. 404.
        

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