Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die lecithinartigen Substanzen des Myocardiums und der quergestreiften Muskeln
Person:
Erlandsen, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18469/7/
Über die lecithinartigen Substanzen des Myocardiums usw. 77 
Hauptwerk zu einer Anklageschrift gestaltet, deren Bitterkeit 
und Unbeherrschtheit wohl kaum von einer wissenschaftlichen 
Polemik übertroffen ist. Trotz der Ungerechtigkeit gegen etliche 
betreffs dieser Frage verdiente Forscher enthalten Thudichums 
Untersuchungen so viele interessante Beobachtungen und neue 
Gesichtspunkte, daß es bei zukünftigen Untersuchungen un¬ 
verantwortlich sein würde, diese nicht zu berücksichtigen. 
Ganz abgesehen von Thudichums Kritik des Protagons und 
der damit verknüpften Untersuchungen über die phosphorfreien 
Gehirnsubstanzen (Cerebroside, Cerebrinacide, Amidolipolide 
usw.) hat diese Arbeit eine neue Basis für die Lecithinforschung 
geschaffen und eine Revision der geltenden Auffassung des Le¬ 
cithins unabweisbar gemacht. Es ist hier nicht der Platz zur 
Aufrechnung und kritischen Besprechung der verschiedenen phos¬ 
phorhaltigen Stoffe, die Thudichum aus dem Gehirn isoliert 
zu haben meint, und welchen er den gemeinsamen Namen: 
«Phosphatide» gegeben hat. Dahingegen ist heiworzuheben, daß 
er festgestellt hat, daß sich im Organismus außer den einstickstoff¬ 
haltigen Phosphatiden (N : P = 1:1), worunter Lecithin, andere 
lecithinartige Stoffe vorfinden, in denen das Verhältnis zwischen 
N und P ein anderes einfaches Verhältnis ist (N : P = 2 : 1, 
N : P = 2 : 2). Thudichum hat auf die Trennung dieser Stoffe 
eine außerordentlich große Arbeit verwandt. Seine Trennungs¬ 
methode ist wesentlich auf eine Fällung der Phosphatide als 
Metallverbindungen aus dem durch eine energische Alkohol¬ 
behandlung gewonnenen Extrakt und nachfolgende Trennung 
der Metallverbindungen durch deren abweichende Löslichkeits¬ 
verhältnisse basiert. Thudichum hat demnach eine Trennung 
der Phosphatide ausschließlich nach ihrem Löslichkeitsver¬ 
hältnis aufgegeben. Es ist schwer zu beurteilen, inwiefern es 
ihm gelungen ist, sich die Aufgabe ganz praktisch zurecht zu 
legen, und in seinen Resultaten, sowohl mit Rücksicht auf 
die Allgemeingültigkeit seiner Isolationsmethoden, wie auch mit 
Rücksicht auf die Auffassung der Konstitution der Phosphatide, 
kann ich ihm in vielen Punkten nicht beistimmen. Eins ist 
jedoch sicher: Es ist Thudichum zu konstatieren gelungen, 
daß das, was früher Lecithin genannt und nur mittels physi-
        

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