Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Einfluß des Lecithins auf die Wirkung der Verdauungsfermente
Person:
Küttner, S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18457/2/
Der Einfluß des Lecithins auf die Wirkung der Verdauungsfermente. 473 
daß die Fermentreaktion um so langsamer vor sich geht, je 
mehr das Wasser des Mediums durch einen chemischen Körper, 
z. B. Glycerin, Harnstoff, Traubenzucker ersetzt wird. 
Bezüglich der Beeinflussung durch organische Stoffe resp. 
der im tierischen Organismus vorkommenden Säfte schreiben 
Fürth und Schütz1) der Galle und zwar speziell den gailen- 
sauren Salzen eine verstärkende Wirkung zu auf die fett- und 
eiweißspaltenden Fermente des Pankreas, nachdem schon lange 
vorher Nencki2) die befördernde Wirkung der Galle auf das 
Pankreassteapsin erkannt hatte. Hewlett3) schrieb dem Leci¬ 
thingehalte der Galle den fördernden Einfluß zu, wogegen Fürth 
und Schütz4) diese Ansicht nur bezüglich einer alkoholischen 
Lecithinlösung bestätigen, während sie dem Lecithingehalte allein 
diese Wirkung nicht zugestehn. Unsere Kenntnisse betreffend 
der dem Lecithin zukommenden physikalischen, chemischen und 
biologischen Eigenschaften sind durch die Untersuchungen der 
letzten Jahre bedeutend erweitert worden; wir wissen z. B., 
daß es durch seine Viskosität und dergleichen, sowie durch 
seine Fähigkeit gleichzeitig mit Basen und Säuren sowie auch 
mit andern Stoffen wie Eiweiß, Zucker und dergleichen mehr 
Verbindungen einzugehn, imstande ist und daß ihm auf Grund 
dieser Eigenschaften diese oder jene Rolle bei verschiedenen 
Prozessen zuerkannt werden muß. Tatsächlich wissen wir auch, 
daß dem Lecithin bei den hämolytischen Prozessen sowie bei 
den Intoxikationen mit solchen Giften wie Kobragift die Rolle 
des Komplements — im Sinne der Ehrliehsehen Seitenketten¬ 
theorie — zukommt. Interessant ist auch die Beziehung des 
Lecithins zu Fermenten, unter anderm auch sein Vermögen, 
Lab und Trypsin in sich aufzunehmen.5) Es war daher anzu¬ 
nehmen, daß das Lecithin die Verdauungsfermente selbst be¬ 
einflussen müsse, und darum veranlaßte mich Frau Dr. N. Sieber, 
der ich an dieser Stelle für die Anregung und das große Inter- 
0 Beitr. z. chem. Physiol, u. Pathol, von Hofmeister, Bd. IX, S.29. 
2) Archiv für exper. Pathol, u. Pharm., Bd. XX, S. 867. 
3) John Hopkins Hosp. Bull, Bd. XYI, Nr. 166. 
4) a. a. 0. 
5) E. Reiss, Berliner klin. Wochenschrift, 1904.
        

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