Bauhaus-Universität Weimar

Untersuchungen über die Entstehung des Kreatins im Organismus. 463 
ebensowenig wie diese von den Eiweißstoffen im engeren Sinne 
abstammt, sondern aus den Nucleinsubstanzen hervorgeht. Diese 
Möglichkeit, die durch den Nachweis von Guanidin unter den 
Oxydationsprodukten der Thymusnucleinsäure1) gestützt wird, 
glaube ich auf Grund von eigenen Beobachtungen ausschließen 
zu können. Hunde, welche in meinem Laboratorium mit großen 
Mengen nucleinreicher Nahrung (Thymusdrüse) gefüttert wurden, 
zeigten durchaus keine Kreatininvermehrung im Harn. 
Frägt man nun nach den Vorstufen, welche beim Ab¬ 
bau der Eiweißkörper der Kreatinsynthese vorausgehen, so wird 
man zunächst auf das im Eiweißmolekül präformierte Guanidin¬ 
derivat, das Arginin, hingewiesen, welches-schon von Gzernecki, 
wie von van Hoogenhuyze und Verploegh als Muttersub¬ 
stanz des Kreatins in Betracht gezogen worden ist. 
Wie Kutscher2) gezeigt hat, wird Arginin in vitro durch 
Baryumpermanganat unter Austritt von NHS zu Guanidinbutter¬ 
säure oxydiert. Wir wissen ferner durch die Untersuchungen 
von A. Kossel und H. D. Dakin,3) daß in der Leber und ver¬ 
schiedenen anderen Organen der Säugetiere ein Ferment vor¬ 
handen ist, welches das Arginin in Harnstoff und Ornithin zer¬ 
legt. Über den Umfang, in welchem die fermentative Spaltung 
durch Arginase im lebenden Organismus vor sich geht, war 
bisher nichts bekannt;4) es stand deshalb der Vorstellung nichts 
im Wege, daß neben derselben an dem Abbau des Arginins im 
Stoffwechsel ein direkter Oxydationsvorgang beteiligt ist, welcher 
bis zur Bildung von Guanfdinessigsäure fortschreitet. Die An¬ 
nahme, daß dieser Vorgang in Beziehung steht zu der Kreatin¬ 
synthese in den Muskeln, findet vielleicht eine Stütze in der 
‘) Kutscher und Seemann, Chem. Ber., Bd. XXXVI. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. XXXII. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. XLI und XLII. 
4) Inzwischen hat W. H. Thompson (Journal of Physiology, 
Bd. XXXII und XXXIII, 1905), dessen Publikation mir erst nach Ab¬ 
schluß meiner Versuche bekannt wurde, gefunden, daß per os darge¬ 
reichtes Arginin bei Hunden in wechselnden großen Mengen (37,6, 52,99, 
77,03°/o des N entsprechend), subkutan appliziertes bis nahe an 100°/o als 
Harnstoff im Urin auftritt. Es ist hiernach an eine Beziehung des 
Arginins zur Kreatinbildung kaum noch zu denken. 
Hoppe-Seyler's Zeitschrift f. physiol. Chemie. XLVIII. 
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