Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bildet sich Homogentisinsäure beim Abbau des Tyrosins in den Keimpflanzen?
Person:
Schulze, E. N. Castoro
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18374/15/
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E. Schulze und N. Castoro, 
dem beschriebenen Verfahren erhaltenen Lösungen weit stärker 
und in solcher Weise auftreten müssen, wie dies in Homo¬ 
gentisinsäurelösungen geschieht. 
Wir vermochten somit weder in den frischen noch in 
den chloroformierten Keimpflanzen Homogentisinsäure aufzu¬ 
finden. Es entsteht nun die Frage, welche Bedeutung gegen¬ 
über den negativen Resultaten unserer Versuche den Reaktionen 
zukommt, auf welche Bertels Angabe sich stützt. Es scheint 
uns, daß Bertel ein Hauptgewicht auf die durch den Keim¬ 
pflanzensaft bewirkte Reduktion von ammoniakalischer Silber¬ 
lösung legt. Wir machen aber darauf aufmerksam, daß die 
Zahl der silberreduzierenden Substanzen, die in den Organismen 
auftreten können, nicht gering ist. Wir verweisen auf eine von 
E. Baumann1) gegebene Aufzählung solcher Stoffe. Außerdem 
aber trat die Silberreduktion in den von uns untersuchten 
Keimpflanzenextrakten, sowie in den wässerigen Lösungen der 
daraus durch Ausschütteln mit Äther gewonnenen Stoffe in 
anderer Weise ein, als in einer Homogentisinsäurelösung — 
worauf wir oben schon aufmerksam gemacht haben. Bertel 
gibt ferner an, daß er bei seinen Objekten die Reaktionen der 
Homogentisinsäure mit Eisenchlorid und mit Millonschem 
Reagens erhalten habe. Wir glauben, daß diese Reaktionen, 
wenn man sie im Keimpflanzensaft auftreten sieht, mehrdeutig2) 
sind und daß sie durch das Vorhandensein anderer Saftbestand¬ 
teile unsicher gemacht werden können. Zur Stütze dieser Ansicht 
weisen wir darauf hin, daß Substanzen, die mit Millonschem 
Reagens Färbungen oder Fällungen geben, im Saft der Keim¬ 
pflanzen niemals fehlen ; was das Eisenchlorid betrifft, so nahm 
*) Pflügers Archiv der Physiologie, Bd. XXIX, S. 414. 
a) Zur Stütze dieser Behauptung weisen wir darauf hin, daß im 
Alkaptonharn neben Homogentisinsäure hin und wieder noch eine andere 
Säure auftritt, welche ganz die gleichen Reaktionen gibt, wie die 
Homogentisinsäure. Man bezeichnet diese Säure als Uroleucinsäure 
und glaubt, daß sie eine Dioxyphenylmilchsäure sei (ihre Formel 
ist C9H10O6). Doch ist ihre Struktur bis jetzt nicht sicher festgestellt 
worden; es läßt sich daher auch nicht sagen, ob sie in Beziehung zum 
Tyrosin steht (man vergl. Hoppe-Seylers Handbuch der physiologisch- 
und pathologisch-chemischen Analyse, bearbeitet von Thierfelder, S. 237).
        

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