Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Tyrosingehalt der Keimpflanzen von Lupinus albus
Person:
Schulze, E. N. Castoro
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18373/4/
390 
E. Schulze und N. Castoro, 
wir die dabei erhaltenen Resultate mitteilen, wollen wir einige 
Angaben über den Weg machen, den man zur Abscheidung 
von Tyrosin aus den Keimpflanzen einschlagen kann. Man kann 
in zweierlei Weise verfahren. Wenn man die getrockneten, 
fein zerriebenen Keimpflanzen mit kochendem 90—92°/oigem 
Weingeist behandelt,*) so geht neben vielen anderen Bestand¬ 
teilen der Pflänzchen auch das Tyrosin, vielleicht aber nicht 
vollständig, in Lösung. Bei Verarbeitung dés weingeistigen 
Extrakts in der früher wiederholt beschriebenen Weise erhält 
man eine Flüssigkeit, aus welcher nach genügendem Einengen 
neben anderen Aminosäuren (Leucin, Phenylalanin etc.) das 
Tyrosin sich ausscheidet. Da letzteres bekanntlich in kaltem 
Wasser sehr schwer löslich ist und sich auch in einem heißen 
Gemisch von absolutem Alkohol mit etwas Ammoniakflüssigkeit 
nur schwierig auflöst, so läßt es sich von den anderen Amino¬ 
säuren ziemlich leicht, wenn auch nicht ohne Verlust trennen. 
Man kann aber auch behufs Abscheidung des Tyrosins ein mit 
heißem Wasser dargestelltes Extrakt aus frischen oder aus ge¬ 
trockneten Keimpflanzen mit Mercurinitrat versetzen, nachdem 
zuvor die durch Bleiessig fällbaren Stoffe entfernt sind; zerlegt 
man den mit Wasser gut ausgewaschenen Mercurinitratnieder- 
schlag durch Schwefelwasserstoff, neutralisiert die vom Schwefel¬ 
quecksilber abfiltrierte Flüssigkeit mit Ammoniak und dunstet 
sie sodann im Wasserbade bis auf ein geringes Volumen ein, 
so krystallisiert beim Erkalten Tyrosin aus. Zu bemerken ist, 
daß man bei Anwendung dieser, in unserem Laboratorium sehr 
häufig benutzten Methode nur einen Teil des im Untersuchungs¬ 
objekt enthaltenen Tyrosins gewinnt, da eine vollständige Aus¬ 
fällung des Tyrosins durch das Mercurinitrat nicht stattfmdet; 
zweckmäßig ist es, nach dem Zusatz des Mercurinitrats die 
*) Obwohl reines Tyrosin in Alkohol sehr wenig löslich ist, so 
kann man diese Aminosäure doch durch Kochen mit 90—92°/oigem Wein¬ 
geist aus den fein zerriebenen Keimpflanzen ausziehen, wenn auch wohl 
nicht vollständig. Das gleiche gilt für Leucin und ähnliche Aminosäuren, 
die in reinem Zustande ebenfalls in Weingeist sehr schwer löslich sind. 
Auf die Leichtlöslichkeit von unreinem Leucin in heißem Weingeist hat 
Hoppe-Seyler schon vor langer Zeit in seinem Handbuch der physio¬ 
logisch- und pathologisch-chemischen Analyse aufmerksam gemacht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.