Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über tierische Leimstoffe. V. Mitteilung: Das Verfahren zur Darstellung der Leimstoffe
Person:
Sadikoff, W. S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18350/8/
Untersuchungen über tierische Leimstoffe. V. 137 
quollen. Bei der Anwendung von 0,5°/oiger Monochloressig¬ 
säure erfolgt die vollständige Glutinierung des Kollagens in 
10—15 Minuten. 
Das allgemeine Verfahren der Darstellung von Leimstoffen 
aus den leimgebenden Substanzen, z. B. Knochen, gestaltet sich 
folgendermaßen : 
Nicht entfettete Knochen werden zerkleinert, eventuell in 
eine breiartige Masse zerquetscht ; sie werden mit Salzsäure 
(1 : 3) so lange behandelt, als noch Salze extrahiert werden 
können ; dazu ist es nötig, die Säure mehrmals täglich (zwei- bis 
dreimal) zu wechseln und von Zeit zu Zeit umzurühren. Die 
auf der Oberfläche sich abscheidende Fettschicht wird abge¬ 
hoben. Die hyaline Masse, welche von den meisten Salzen 
und Fetten befreit ist (was durch 7—8 tägiges Behandeln er¬ 
reicht wird), wird einige Male mit kaltem Wasser nachge¬ 
waschen und in eine 1—3°/oige Lösung von Ätznatron* 2) über¬ 
geführt. Hierbei lösen sich alle Albuminstoffe, Mucin, Nucleo- 
proteide usw., und es fallen die Überreste des phosphorsauren 
Calciums als eine feine Suspension aus; außerdem geht eine 
Verseifung der geringen noch anhaftenden Fettreste vor sich. 
Nach dreimaligem Wechsel der alkalischen Lösung und kurzem 
Nachwaschen mit kaltem Wasser werden alle gelösten Eiwei߬ 
stoffe und Seifen 3) beseitigt. Die alkalisch reagierende hyaline 
*) Man kann auch schweflige Säure bei den Arbeitsbedingungen, 
wie sie M. Schroeder angibt, anwenden. Feuchte Knochen werden in 
den geschlossenen Apparaten unter Druck mit gasförmiger schwefliger 
Säure oder mit dem entsprechenden Säuregasgemisch behandelt, um die 
Umwandlung von dreibasischem Calciumphosphat in das Gemenge von 
zweibasischem in Citronensäure löslichen und Calciumsulfit durchzu¬ 
führen. Der Vorteil besteht darin, daß die Säure wiedergewonnen werden 
kann. D. R. P. 22 i, 79156, 1895. 
2) Andere Alkalien, wie Ca(OH)2, Na2COs, NaHCOs, NH, dürfen 
auch in größeren Konzentrationen nicht als Ersatz für KOH und NaHO 
benutzt werden, da in diesem Falle keine vollständige Extraktion von 
Beimengungen erreicht wird. Wenn man z. B. Sehnen wochenlang mit 
10°/oiger Na2C03 bei 40° bis zum völligen Erschöpfen behandelt, so 
können doch bei nachträglicher Einwirkung von 0,1 °/o KHO noch Eiwei߬ 
stoffe extrahiert werden. 
3) Aus dieser alkalischen Lösung kann man Eiweißstoffe und Seifen 
durch Ansäuren niederschlagen.
        

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