Bauhaus-Universität Weimar

254 
Otto Cohnheim, 
Ich werde zunächst meine neuen Resultate mitteilen, und 
dann erst auf die Ein wände eingehen, die inzwischen gegen 
meine Befunde erhoben worden sind. 
An sich wäre es wohl das Nächstliegende gewesen, nach 
den Umwandlungsprodukten des Zuckers zu forschen und so 
das chemische Geschehen bei der Glykolyse aufzuklären. Dem 
stand aber ein Umstand entgegen: ich habe schon in der zweiten 
Mitteilung Fälle beschrieben, in denen die Muskelextrakte be¬ 
reits ohne Pankreaszusatz Glykolyse zeigten. In diesen Fällen 
durtte dann nur ein ganz geringer Zusatz von Pankreas gemacht 
werden, weil die Menge, die für einen nicht wirkenden Muskel 
richtig war, hier bereits zu Überschußhemmung führte. Da ich 
nun den Muskeln nicht ansehen konnte, ob sie schon ohne 
Zusatz wirksam waren oder nicht, ließ sich eine Untersuchung 
zunächst nicht durchführen. Es galt vielmehr, entweder die 
Gesetzmäßigkeiten für das Vorhandensein aktiven oder nicht 
aktiven Ferments festzustellen oder den in den Muskeln vor¬ 
handenen Aktivator zu beseitigen, um damit ein gleichmäßiges 
Ausgangsmaterial zu bekommen. Ferner war es sehr wünschens¬ 
wert, an Stelle der Zerschneidung mit der Kossel’schen Schneide¬ 
maschine* und der Auspressung mit der Buchnerpresse eine 
weniger mühsame und kostspielige Extraktion zu finden. Ich 
habe beide Forderungen erfüllen können und will das in dieser 
Abhandlung beschreiben. 
I. Die Extraktion des Ferments aus den Muskeln. 
Ich habe in der ersten Abhandlung mitgeteilt, daß ich 
die Muskeln mit der Kossel’sehen Schneidemaschine zerkleinern 
mußte, um das glykolytisehe Ferment aus ihnen zu gewinnen. 
Die früheren Versuche waren aber zu einer Zeit angestellt, 
als ich die Empfindlichkeit des glykolytischen Fermentes gegen 
abweichende Reaktion und die quantitativen Beziehungen zwischen 
Muskelferment und Pankreasaktivator noch nicht kannte. Ich 
habe daher die Versuche, das Ferment ohne vorherige Zer¬ 
kleinerung der Muskeln zu extrahieren, wieder aufgenommen. 
Zunächst stellte ich fest, daß ich statt einer Lösung von 
Natriumbicarbonat ebensogut Magnesiumcarbonat in Substanz 
in beliebigem Überschuß zu den Flüssigkeiten hinzusetzen konnte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.