Bauhaus-Universität Weimar

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Hans Euler, 
hoben, deren Widerlegung1) Herzog nicht gelungen ist. Zu¬ 
nächst ist nicht einzusehen, wie Herzog daran festhalten kann, 
dal) in Rudorfs Ausdruck für n jemals R = 0 gesetzt werden 
kann, und daß für a — O auch R = 0 werden müsse. Sodann 
streiten vielfach die Erfahrungen gegen den von Herzog ge- 
. ~ » 
lorderten Zusammenhang zwischen innerer Reibung und Ge¬ 
schwindigkeit der Enzymreaktionen. Ich verweise diesbezüglich 
aut die Antwort von V. Henri. 
Herzog ist bei seiner Darstellung von folgender Über¬ 
legung Nernsts ausgegangen: «In der Grenzlläche zwischen 
zwei miteinander reagierenden Phasen besteht stets Gleich¬ 
gewicht : die eigentlichen chemischen Prozesse linden im Innern 
einer Phase statt, und wenn sie schnell genug verlaufen, so ist 
die Reaktionsgeschwindigkeit allein bestimmt durch die Geschwin¬ 
digkeit, mit der sich die Konzentrationsunterschiede zwischen der 
Grenzlläche und dem Innern der Phasen durch Dilfusion aus- 
gleichen. * Inwiefern der erstere Satz allgemein ist, soll hier nicht 
diskutiert werden: daß unter den genannten Umständen die Dif¬ 
fusion den zeitlichen Verlauf heterogener Reaktionen bedingt, 
dürfte niemand bezweifelt haben. Herrn Herzog gegenüber ist zu 
erinnern, daß die Bedingung: «wenn sie schnell genug verlaufen» 
sehr wesentlich ist. Die Diffusionsgeschwindigkeit wird den Ver¬ 
lauf der Reaktionen im heterogenen System nur dann bestimmen, 
wenn die Reaktionsgeschwindigkeit so groß ist, daß die Lösung 
an reagierendem Stoff verarmt, wenn also der Grenzschicht in 
der Zeiteinheit durch Diffusion nicht so viel Substanz zugeführt 
werden kann, als durch die Reaktion verschwindet. 
Die zu Beginn dieser Mitteilung gegebene Zusammen¬ 
stellung über den zeitlichen Verlauf der Enzymreaktionen zeigt, 
daß — mit sehr wenig Ausnahmen — die Enzymreaktionen 
so langsam verlaufen, daß die Konzentration der Lösung an 
der hypothetischen Grenzlläche zwischen Ferment und Lösung 
sehr wohl aufrecht erhalten werden kann. Herzogs Behandlung 
der Enzyme als < Kapillarsysteme» entspricht deswegen nicht 
der Wirklichkeit, weil wir es hier (unter Beibehaltung der An¬ 
nahme eines heterogenen Systems) mit Kapillarröhren von etwa 
M Diese Zeitschrift, Bd. XL11I. S. 222. 1904 
•i
        

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