Bauhaus-Universität Weimar

426 L. M archlewski, Notizen zur Chlorophyllchemie. 
das dem Infrarot näher gelegene dunkler und breiter ist ; das Chlorophyll 
selber aber zeigt keine Spaltung des charakteristischen Bandes. Trotz der 
neuesten Har tie y sehen Abhandlung kann daher das vonSchunck jun. 
und mir über das «blaue Chlorophyll» gefällte Urteil nicht geändert 
werden: Hartleys Farbstoff ist nicht unverändertes Chlorophyll, sondern 
ein Chlorophyllderivat. 
in. 
In dem vielgelesenen, trefflichen Werk v. Lippmanns «Die Chemie 
der Zuckerarten» findet sich eine unrichtige historische Angabe, auf die 
ich hier in Kürze eingehen möchte, um so mehr, als v. Lippmann 
nicht der einzige Autor ist, der die betreffende Angelegenheit in un¬ 
richtigem Licht wiedergibt. Auf S. 1752, Band II des genannten Werkes 
spricht v. Lippmann anläßlich einer flüchtigen Besprechung der Rolle 
des Chlorophylls bei der Assimilation von der Lehre von einer näheren 
Verwandtschaft des Chlorophylls mit dem Blutfarbstoff, die von Hoppe- 
Seyler1) und Nencki2) herstammen soll. Dies ist unrichtig, Hoppe- 
Seyler und Nencki waren nicht die ersten, die auf die Verwandtschaft 
der genannten Körper aufmerksam machten, sondern E. Schunck sen. 
und ich. Mit welchem Recht man Hoppe-Seyler diese Entdeckung 
zuschreiben kann, ist mir ganz unbegreiflich, denn die einzige Stelle in 
Hoppe-Seylers Schriften, auf die sich v. Lippmann vielleicht bezog, 
lautet wie folgt:3) «Die bläulich purpurrote Lösung zeigt in ihren Licht¬ 
absorptionsverhältnissen sehr auffallende Ähnlichkeit mit dem aus Hämo¬ 
globin durch Einwirkung starker Säuren, reichlich aus Hämatin durch 
Säuren oder durch Reduktionsmittel erhaltenen und unter dem Namen 
Hämatoporphyrin von mir beschriebenen Substanz ; auch in fluores¬ 
zierendem Lichte, das ich früher beim Hämatoporphyrin außer acht ge¬ 
lassen hatte, zeigt sich große Ähnlichkeit.» Von einer Verwandtschaft 
beider Körper äußert sich Hoppe-Seyler, meines Wissens, in seinen 
Schriften überhaupt nicht, auch konnte ihm eine solche Annahme 
schwerlich vorgeschwebt haben, da er das Phylloporphyrin irrtümlicher¬ 
weise als Zersetzungsprodukt der, nach ihm, N-freien Dichromatinsäure 
doch auch als N-frei betrachten mußte. Was nun Nencki anbelangt, so 
kann v. Lippmann die von ihm zitierte Abhandlung Nenckis un¬ 
möglich gelesen haben, denn gerade dieser berühmte Forscher spricht 
sich dort ganz unzweideutig über die Urheberschaft der bewußten Ent¬ 
deckung aus. 
Krakau, im März 1905. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. IV, S. 201 (1880). 
2) Ber., Bd. XXIX, S. 1350 (1896). 
3) L c.
        

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