Bauhaus-Universität Weimar

Notizen zur Chlorophyllchemie. 
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seinen früheren Angaben nach.1) die ich mit Schunck jun. bestätigen 
konnte, kann man die Ba-Fäliung mit siedendem Alkohol oder Chloro¬ 
form waschen, ohne Farbstoff dabei zu lösen. Wäre die jetzige Angabe 
Hartleys wirklich richtig, dann wäre die vermeintliche Löslichkeit des 
Farbstoffs in Benzol und Unlöslichkeit in Alkohol oder Chloroform allein 
schon ein Beweis, daß der Hart ley sehe Farbstoff nicht unverändertes 
Chlorophyll ist. Trotzdem hält er aber an seiner früheren Ansicht fest, 
daß der nach seiner Methode dargestellte Farbstoff kein Umwandlungs¬ 
produkt des Chlorophylls, sondern mehr oder weniger rein isoliertes 
Chlorophyll selbst ist. 
Um dies zu beweisen, behandelte er eine alkoholische Lösung 
seines Farbstoffs, sowie die Benzollösung des Rohchlorophylls mit Salz¬ 
säure und untersuchte die Spektra der erhaltenen salzsauren Lösungen 
spektroskopisch. Das Resultat scheint Hartley von der Identität beider 
Lösungen zu überzeugen. Mir ist die Beschreibung der beobachteten 
Spektra überhaupt unverständlich, denn in einem Falle hatte Hartley 
sicherlich eine Auflösung von Phyllocyanin in HCl, und eine solche er¬ 
zeugt 5 Bänder und nicht 3, wie Hartley angibt. Sodann aber wäre 
es ganz gut möglich, daß Hartley (dem das Phyllotaonin und seine Äther, 
wie es scheint, unbekannt sind und der daher das spektroskopische Ver¬ 
halten dieser Körper selbst nicht studieren konnte) die beiden Spektren 
so ähnlich fand, weil die Unterschiede im spektroskopischen Verhalten 
salzsaurer Lösungen des Phyllocyanins und Phyllotaonins bezw. seiner 
Äther in der Tat sehr gering sind. Ganz anders würde sich ihm die 
Sache vorgestellt haben, wenn er unseren Rat befolgt und die salz¬ 
sauren Lösungen in Wasser gegossen hätte und durch Extraktion der 
erhaltenen Farbstoffsuspensionen Phyllocyanin bezw. Phyllotaonin oder 
seine Äther im freien Zustande isoliert hätte. 
Den Beweis, daß Hartleys «blaues Chlorophyll» nicht unver¬ 
ändertes Chlorophyll ist, kann man aber noch viel einfacher führen, und 
der Umstand, daß Hartley dies nicht einsehen kann, ist um so auf¬ 
fallender, als die von ihm gegebene Beschreibung der Eigenschaften seines 
blauen Chlorophylls im großen und ganzen richtig ist, aber durchaus nicht 
mit der des unveränderten Chlorophylls übereinstimmt. Der Hartleysche 
Farbstoff, in konzentrierten Lösungen betrachtet, erzeugt im Spektrum vier 
Bänder, von denen das in Rot sehr intensiv und breit erscheint, während die 
drei anderen, besonders das letzte, in Blau sehr schwach sind. Im Orange 
ist kein Band wahrzunehmen. Der Unterschied im Vergleich mit dem un¬ 
veränderten Chlorophyll kommt aber noch mehr zum Vorschein, wenn 
man sehr verdünnte Lösungen der beiden Farbstoffe betrachtet. Ver¬ 
dünnt man nämlich den Har tie y sehen Farbstoff so weit, daß die drei 
schwachen Bänder verschwinden, dann bemerkt man, daß das zuerst 
einheitlich erscheinende Band in Rot in zwei gespalten wird, von denen 
*) Trans, of the Chem. Society, Bd. LXXXV, S. 1608 (1904;).
        

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