Bauhaus-Universität Weimar

.VM) Alexander El linger, Die Entstehung der Kynurensäure, 
Haben so die physiologisch-chemischen Fragen über das 
Verhalten der Kynurensäureausscheidung eine fast ausnahmslos 
befriedigende Erklärung gefunden, so sind für die andere, mehr 
allgemein biologische Seite* des Problems, warum sich die 
Kynurensäure nur im Harn des Hundes findet, durch meine 
Versuche neue Gesichtspunkte gewonnen. 
Solomin hat bereits die Vermutung ausgesprochen, daß 
beiin Menschen und Kaninchen vielleicht die Kynurensäure nicht 
deshalb im Harn fehlt, weil sie keine bilden, sondern nur, weil 
sie die gebildete* wieder zerstören. Für das Kaninchen ist nun¬ 
mehr der Beweis erbracht, daß es Kynurensäure bilden kann 
und daß sie hei genügender Zufuhr der Vorstufe auch im Harn 
erscheint. Damit ist zugleich die wichtige Tatsache festgestellt, 
daß die eigenartige Hingschließüng, mittels welcher aus dem 
Tryptophan die Kynurensäure entsteht und für welche mir kein 
Analogon in der chemischen Literatur bekannt ist, nicht ein Vor¬ 
recht des Hundeorganismus ist, sondern daß sie auch anderen 
tierischen Zellen zukommt. Daß mancherlei Gründe vorliegen, 
eine solche Kingschließung auch in der Pflanzenzelle bei der 
Alkaloidbildung anzunehmen, sei hier nur nebenbei bemerkt. 
Wenn das Kaninchen normal keine Kynurensäure aus¬ 
scheidet, so darf man jetzt schließen, daß es nicht genügend 
Tryptophan bildet. Unentschieden bleibt vorerst, ob dies an 
einer qualitativ oder quantitativ von der des Hundes verschie¬ 
denen tryptischen Verdauung liegt oder an der Art der Nahrung. 
Nach orientierenden Versuchen scheint mir die erstgenannte 
Eventualität wahrscheinlicher, denn auch bei ausgiebigster 
Fütterung mit Nutrose gelang es nicht, bei Kaninchen Kynuren¬ 
säureausscheidung hervorzurufen. 
Ob auch dem Menschen die Fähigkeit der Kynurensäure- 
bildung zukommt, haben meine Versuche nicht entscheiden 
können. Vielleicht hätte die Darreichung von mehr Tryptophan, 
wozu ich mich der Kostbarkeit des Materials halber nicht ent¬ 
schließen konnte, ein positives Ergebnis gehabt. Auffallender 
als beim Menschen und Kaninchen erscheint das Fehlen der 
Kynurensäure bei ausschließlich mit Fleisch genährten Katzen, 
wovon ich mich selbst auch in einem Versuche überzeugte,
        

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