Bauhaus-Universität Weimar

Die Entstehung der Kynurensäure. 
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Tryptophan in Betracht kommt oder auch im intermediären 
Stoffwechsel gebildetes, läßt sich zur Zeit mit Sicherheit nicht 
entscheiden. Die geringe Kynurensäureausscheidung, welche 
(rlaeßner und Langstein am Hunde ohne Pankreas selbst 
bei Fleischfütterung fanden, spricht dafür, daß das Tryptophan 
des Darms die hauptsächlichste Quelle ist: andererseits erklären 
sich die Beobachtungen von Mendel und seinen Schülern, daß 
Phosphor, Phloridzin, Borax und andere Stoffwechselgifte, mit 
dem erhöhten Eiweißzerfall auch vermehrte Kynurensäure- 
ausscheidung hervurrüfen, ebenso wie die beträchtlichen Aus¬ 
scheidungen des Hungerhundes, wohl am einfachsten dadurch, 
daß man die Bildung von Kynurensäure aus in den Körper¬ 
teilen entstandenem Tryptophan annimmt. Man müßte denn 
die relativ hohe Ausscheidung in diesen Fällen auf eine durch 
die Anwesenheit der Gifte bedingte verminderte Zerstörung der 
Kvnurensäure zurückführen. 
bür den wechselnden Ausfall der Versuche über den 
Zusammenhang zwischen Kynurensäureausscheidung und Darm¬ 
fäulnis (Baumann, Hosenhain, Haagen) kann die Abstain-' 
lining vom Tryptophan vielleicht auch eine Aufklärung geben. 
Die Anwesenheit von Bakterien im Darmkanal kann einerseits 
dazu führen, daß aus solchem Eiweiß Tryptophan gebildet wird, 
welches sonst der Resorption entgangen oder wenigstens in 
anderer Form resorbiert worden wäre, und so zu einer Ver¬ 
mehrung der Kynurensäure führen. Andererseits kann durch 
Bakterientätigkeit Tryptophan in Indol übergeliihrl werden, wie 
ich es mit Gentzen1) zusammen für den Dickdarm des 
Kaninchens experimentell gezeigt habe, dann würden die 
Bakterien das Material zur Kynurensäurebildung vermindern. 
Man darf also a priori einen verschiedenen, Einfluß seitens der 
Darmbakterien und entsprechend auch der Darmdesinlizientien 
erwarten, je nach der Art, wie die Mikroorganismen die ihnen 
im Darm zur Verfügung stehenden Eiweißkörper oder deren 
Abbauprodukte zersetzen. 
*) Hofmeisters Beiträge zur ehern. Physiol, u. Palhol., Bd. 1. 
171 (1003), und Max Gentzen, liber die Vorstufen des Indols bei der 
t.iweißfäulnis im Tierkörper, Inaug.-Diss. Königsberg 1001.
        

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