Bauhaus-Universität Weimar

Über die Geschwindigkeit enzymatischer Reaktionen. 
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Henri1) hat in Ostwalds Laboratorium gefunden, daß 
die Wirkung von Rohrzucker durch die Gleichung 
d x 2) 
-jy" = (ki + k* x) (a —x) 
(kt und k2 Geschwindigkeitskonstante) 
gut dargestellt werden kann. Nach H. T. Brown und Glen¬ 
dinning2) gehorcht die Stärkehydrolyse derselben Gleichung; 
auch die alkoholische Gärung3) dürfte so auszudrücken sein. 
Vor kurzem konnte ich zeigen, daß die Spaltung von 
Salicin und Amygdalin durch Emulsin4) durch die Form 
d x 3) 
TT = (ki — k2 x) (a “ x) 
beschrieben werden kann. Weitere Versuche haben es mir 
sehr wahrscheinlich gemacht, daß auch andere enzymatische 
Vorgänge demselben Ausdruck gehorchen. 
Demnach verlaufen sämtliche bisher studierten Ferment¬ 
reaktionen (bei Einhaltung gewisser Kautelen: mäßige Temperatur, 
vielleicht auch mittlere Enzymmengen) nach dem Schema: 
k (1 4- c) — — ln —= ' 
K - J t a—x 
4) Zeitschr. f. physik. Chemie, Bd. 39, S. 194 (1902). 
*) Proc. ehern, soc., Bd. 18, S. 42 (1902). Vgl. dazu aber Henri, 
Lois générales, Thèses (Paris 1903), S. 114. 
3) R. O. Herzog, Diese Zeitschrift, Bd. XXXVII, S. 149 (1902); 
J. H. Aberson, Rec. d. travaux chim. belg., Bd. 22, S. 78 (1903). — 
Ich möchte bei dieser Gelegenheit bemerken, daß ich im Sommer 1903 
im Laboratorium des Herrn Professors Cohen versucht habe, die Arbeit 
unter Anwendung von Hefepreßsaft fortzusetzen; es ist mir aber trotz 
reichlich aufgewendeter Mühe nicht gelungen, einen wirksamen Preßsaft 
zu erhalten, der arm genug an Glykogen gewesen wäre, so daß dieses für 
die Versuche zu vernachlässigen gewesen wäre. In Anwesenheit von reich¬ 
lichem Glykogen sind die Messungen natürlich nichts weniger als ein¬ 
wandsfrei; ebenso läßt sich der Fehler kaum rechnerisch ausgleichen, 
da experimentelle Anhaltspunkte fehlen. — Ich möchte auch bemerken, 
daß ich nur ein Zyminpräparat unter mehreren Proben gefunden habe, 
das arm genug an Glykogen war (kaum 2°/o des verwendeten Trauben¬ 
zuckers). — Wählt man in meinen 1. c. mitgeteilten Versuchen e<[l, so 
kommt man zu besseren Durchschnittswerten. 
4) Koninklijke Akad. v. Wetenschappen. Amsterdam, 31. Okt. 1903.
        

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