Bauhaus-Universität Weimar

Über die Geschwindigkeit enzymatischer Reaktionen. 
Von 
R. O. Herzog. 
(Der Redaktion zugegangen am 30. März 1904.) 
1. G. Tammann1) war durch eingehende Versuche zu 
dem Schluß geführt worden, daß «im Gegensatz zu anderen 
katalytischen Reaktionen, deren Verlauf durch eine logarith- 
mische Kurve darstellbar ist, die Fermentreaktionen kompli¬ 
zierteren Gesetzen gehorchen. » Seither ist zunächst eine Reihe 
für die Kinetik katalytischer Vorgänge grundlegender Arbeiten 
zumal aus Ostwalds Schule hervorgegangen ; aber auch die 
Kinetik der enzymatischen Reaktionen hat experimentell und 
theoretisch solche Förderung erfahren, daß G. Rredig2) zehn 
Jahre später sagen konnte : « Die Enzymwirkungen unterscheiden 
sich nicht wesentlich von den gewöhnlichen Kontaktwirkungen 
anderer Katalysatoren. » 
Nach Sjöqvist3) kann wenigstens ein Teil der Pepsin¬ 
wirkung,4) nach V. Henri und Larguier des Rancels 5) auch 
der Trypsinwirkung6) formuliert werden: 
k = 1- ln ___ ^ 
t a — x 
(k die Geschwindigkeitskonstante, a die Konzentration an umwandelbarem 
Stoff, x die zur Zeit t umgesetzte Menge.) 
Nach Sent er7) ist auch die Katalyse des Wasserstoff¬ 
superoxyds durch Hämase in erster Annäherung eine Reaktion 
erster Ordnung. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. XYI, S. 313 (1892). 
2) Ergebnisse d. Biochemie, I, S. 209 (1902). 
8) G. f. Physiol., Bd. 9, S. 460 (1895). 
4) Allerdings im heterogenen System. — Ygl. auch Spriggs-Wade, 
Diese Zeitschr., Bd. XXXV, S. 492 (1902). 
5) Soc. d. biologie, Bd. 55, S. 563, 787, 788, 789, 866 (1903). 
6) Wahrscheinlich liegen bei der Hydrolyse der Eiweißkörper kom¬ 
plizierte Verhältnisse vor. Vgl. Pflügers Arch., Bd. 80, S. 470 (1900). 
7) Zeitschr. f. physik. Chem., Bd. 44, S. 257 (1903).
        

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