Bauhaus-Universität Weimar

Untersuchungen über die Leber. 
Von 
Dr. Ludolph Brauer, 
a.o. Professor der inneren Medizin. 
(Aus dem physiologischen Institut zu Heidelberg.) 
(Der Redaktion zugegangen am 24. Oktober 1903.) 
Bei dem Studium der Leberkrankheiten zeigt sich aller¬ 
orts -— am Krankenbett, imTierexperiment wie in der Literatur—, 
wie schlecht es mit unseren Kenntnissen von der normalen und 
pathologischen Funktion dieses wichtigen Organes bestellt ist, 
wie wenig wir selbst dasjenige, was die Physiologie über die 
Tätigkeit der Leber zu erkennen lehrte, tatsächlich bei unseren 
Überlegungen am Krankenbette verwenden können. 
Ein Blick auf die fein ausgebildete Diagnostik der Nieren¬ 
krankheiten läßt diesen Mangel besonders deutlich hervortreten. 
Das anotomische und funktionelle Verhalten der Nieren ist aus 
Harnuntersuchungen vielfach recht genau zu beurteilen; selbst 
leichteste, rasch vorübergehende Reizzustände der den Harn 
produzierenden Organe sind zu erkennen, und ermöglichen es, 
einerseits schädlichen Einflüssen rechtzeitig zu begegnen, anderer¬ 
seits krankmachende Faktoren in ihrer Bedeutung für die Nieren 
und indirekt damit für den Gesamtorganismus zu würdigen. 
Stoffwechselerscheinungen, Leber- und Pankreasleiden verraten 
sich nicht selten durch Veränderungen des Nierenexkretes ; die 
Form endlich, in welcher dem Körper zugeführte Stoffe von 
den Nieren wieder ausgeschieden werden, gestattet die allér- 
mannigfaltigsten Rückschlüsse, auf die Art der Stoffwechsel¬ 
vorgänge, wie auf die Funktion einzelner Organe. 
In allen diesen Punkten zeigt die Pathologie der Leber 
weite Lücken. 
Die Diagnostik der Leberkrankheiten stützt sich, von den
        

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