Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Vorkommen und die Bedeutung des Cholins in der Cerebrospinalflüssigkeit bei Epilepsie und organischen Erkrankungen des Nervensystems, nebst weiteren Beiträgen zur Chemie derselben
Person:
Donath, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17861/12/
Das Vorkommen und die Bedeutung des Cholins etc. 537 
Die Eiweißprobe mit Essigsäure-|-Ferrocyankalium fand 
ich stets positiv. *} 
Zur Prüfung der Cerebrospinalflüssigkeit auf das dem 
Cholin chemisch und, wie ich später zeigen werde, auch 
toxikologisch nahestehende Neurin lag keine Veranlassung vor. 
Bekanntlich unterscheidet sich das Cholin, d. i. Trimethyloxäthyl- 
ammoniumoxydhydrat, CH2(OH), CH2 • N(CH3)3, OH = C5H15N02 
um das Plus der Elemente von 1 Mol. Wasser vom Neurin, 
d. i. Trimethylvinylammoniumoxydhydrat CH:CH2 • N(CH3)3, OH 
= C5H13NO. Diese beiden Basen, welche man früher für 
identisch * gehalten und noch später häufig verwechselt hat, 
lernte man durch Bayer und Brieger scharf von einander 
unterscheiden. Die genauen Untersuchungen von Gulewitsch* 2) 
ergaben,- daß das vollkommen frische Ochsengehirn kein Neurin 
enthält, dagegen ergibt sowohl der mäßige Auszug des Gehirns 
als der mit Natriumalkoholat behandelte alkoholische Extrakt 
desselben ausschließlich Cholin. Dieser Forscher wies auch 
nach, daß das von Liebreich beim Kochen des von diesem 
entdeckten Protagons mit Barytwasser nicht Neurin, sondern 
Cholin ergibt, wie auch das Neurinplatinchlorid beim Um- 
krystallisieren aus heißem Wasser unverändert bleibt und 
nicht, wie Liebreich behauptet hat, unter Aufnahme der 
Elemente von 1 Mol. Wasser in Cholin übergeht. Auch können 
mit Salzsäure versetzte Lösungen von Cholinchlorid einge¬ 
dampft, oder verdünnte Cholinlösungen mit Barythydrat gekocht 
oder mit Natriumalkoholat behandelt werden, ohne daß sich 
Neurin bilden würde. Auch das nach den Untersuchungen von 
p Nachdem diese Arbeit schon längst abgeschlossen war, erschienen 
die interessanten Mitteilungen von Widal, Sicard und Ravant, sowie 
von G. Guillain und V. Parant (beide in Revue Neurologique 1903, 
Nr. 8), daß bei progressiver Paralyse und überhaupt bei meningitischen 
Prozessen außer dem normalerweise vorkommenden Globulin (fällbar 
durch gesättigte MgS04-Lösung) auch Serumalbumin gefunden wird (nach 
dem Filtrieren durch Erhitzen gerinnbar). Auch ist dann die Gesamt¬ 
menge der Eiweißkörper vermehrt. 
2) Wl. Gulewitsch, Über Neurin und einige Verbindungen. Diese 
Zeitschr., Bd. XXVI; Derselbe, Über Leukomatine des Ochsengehirns, 
ibidem, Bd. XXVII. 
Hoppe-Seyler’s Zeitschrift f. physiol. Chemie. XXXIX. 
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