Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Katalog über Elektro-medizinische Apparate von Reiniger, Gebbert & Schall: Elektrotechnische Fabrik Abteilung A Erlangen Luitpoldstrasse 45
Person:
Reiniger Gebbert Schall
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17689/98/
I. Abteilung: Galvanisation. Galvanometer. 
Prospekt 
über 
Galvanometer. 
Die Dosierung des elektrischen Stromes durch das Galvanometer ist heute als ebenso unerlässlich an¬ 
erkannt, wie die der Medikamente durch die Wage. 
Allgemeines über Galvanometer. 
Maassgebend für die Konstruktion eines Galvanometers ist die Aufhängung des Magneten. Entweder 
dreht sich der Magnet in vertikaler Richtung um eine horizontale Axe, oder er schwingt horizontal auf einer 
vertikalen Spitze oder an einem Faden, der die vertikale Axe vertritt. 
Die Vertikal-Galvanometer kommen nur noch in Betracht, wo es sich weniger um sehr genaue 
Messungen, als um leichte Transportabilität und bequemere Handhabung, sowie um geringere Emfindlichkeit 
gegen äussere Einflüsse handelt. 
Die Horizontal-Galvanometer sind den Vertikal-Galvanometern in Bezug auf Genauigkeit überlegen, 
da sie nur unter dem Einflüsse der Horizontal-Intensität des Erdmagnetismus stehen, während die Angaben des 
anderen durch die Verwendung eines Richtgewichtes von der nicht vollkommenen Konstanz des Magnetismus 
ihres Magneten abhängig werden. Die Horizontal-Galvanometer werden mit Glockenmagnet und starkem Kupfer¬ 
dämpfer versehen so hergestellt, dass sich der Zeiger fasst schwingungslos einstellt, ohne dass dadurch der 
Genauigkeit der Ablenkung im geringsten Abbruch gethan wird. 
Kurze Beschreibung unserer Galvanometer. 
Bei Anfertigung und Konstruktion unserer Galvanometer haben wir uns von de^r Absicht leiten lassen, 
Instrumente zu schaffen, die trotz ihrer durch die Transportfähigkeit bedingten Kompendiosität, Widerstands¬ 
fähigkeit und leichten Handhabung, was Genauigkeit der Angaben anbetrifft, den Präzisions-Messinstrumenten 
gleichgestellt werden können. — Dieses Ziel glauben wir bei unseren horizontalen transportablen Galvanometern 
möglichst erreicht zu haben, unbedingt ist es bei unseren stationären Instrumenten der Fall. 
Die Vertikal-Galvanometer bestehen aus einem runden Metallgehäuse, in dessen Innerem sich die 
Multiplikator-Spulen befinden. Diese Spulen haben die Form viereckiger Solenoide. Das Magnetsystem besteht 
aus einem asiatischen Nadelpaar, auf dessen Anfertigung wir die grösste Sorgfalt verwenden. Dieselben werden 
aus bestem Wolframstahlblech gestanzt. Um sie möglichst gleichmässig zu härten, werden sie in flüssigem Blei 
glühend gemacht, in Quecksilber gehärtet und dann in Dampf abgeschwächt, wodurch sie an Konstanz des 
Magnetismus erheblich gewinnen. Die Astasie der Magnetpaare ist natürlich möglichst vollkommen zu erreichen. 
Es werden zu diesem Zwecke zunächst die einzelnen Magnete auf eine bestimmte Entfernung einer Bussole 
genähert und die Ablenkung beobachtet. Die mit gleichen Ausschlägen werden paarweise geordnet und 
2—3 Monate aufbewahrt, um nach dieser Zeit noch einmal auf dieselbe Weise geprüft zu werden. Von neuem 
paarweise sortiert, werden sie dann auf einer gehärteten Stahlaxe befestigt. Diese Axe hängt mit ihren spitz 
geschliffenen Enden in 2 mit Achat ausgelegten Hohlkörnern. Die Skala ist durch ein gewölbtes Glas geschützt 
und des bequemeren Ablesens wegen schräg angeordnet. Die Teilung wird ganz nach Wunsch bis 5, 10, 15, 
20, 25, 30 oder 35 MA. angefertigt. Die Vertikal-Galvanometer werden auch mit Nebenschluss versehen, 
wodurch der Messumfang um das 10 fache erweitert wird. 
Die Horizontal-Galvanometer (nach Prof. Dr. v. Ziemssen, Prof. Dr. Stinzing, Sanitäts-Rat Dr. Müller 
und Dr. Edelmann) haben wir als die vollkommeneren Instrumente mehr den jeweiligen Bedürfnissen angepasst, 
sodass verschiedene Formen und Konstruktionen derselben entstanden sind. Die Unterschiede beschränken sich 
jedoch im wesentlichen nur auf die Grössenverhältnisse, auf die Art der Aufhängung des Magneten und auf die 
Form der Skala. Entweder ruht nämlich der Magnet auf einer gehärteten Stahlspitze oder er hängt bei den 
besseren Instrumenten an einem Kokon- oder Quarzfaden. Wegen der günstigsten Form des Magneten haben 
wir bei allen unseren Horizontal-Galvanometern die Siemens’sche Glockenform gewählt, welche wie keine andere 
eine äusserst günstige Erzielung der Dämpfung der Schwingungen gestattet. Es besteht der Dämpfer aus sehr 
starkem, chemisch - reinem Kupfer. Die Arretierung des Magneten geschieht bei den transportablen Instrumenten 
durch einfaches Drehen eines Knopfes, bei den stationären, bei denen dieser Fall nur höchst selten notwendig 
wird, durch Verschieben eines Rohres und Festziehen einer Schraube. Der Messumfang reicht bis 15, 35, 150, 
250 oder bis 500 MA. Auf sämtlichen Galvanometern ist der innere Widerstand in Ohm und die Horizontal - 
Intensität in CGS Einheiten angegeben. 
Die transportablen Galvanometer sind entweder mit Spitzen- (451a—c, 453 a—d) oder mit Faden¬ 
aufhängung (454a) gebaut, während die für stationären Gebrauch (456a, b und c) ausnahmslos mit Fadenauf¬ 
hängung versehen sind. Die transportablen Horizontal-Galvanometer mit Spitzenaufhängung sind schon lange 
Zeit im Gebrauch; es hatten sich jedoch mit der Zeit Mängel an denselben herausgestellt, welche eine genauere 
Strommessung störend beeinflussten. Hauptsächlich war es die Reibung, welche stets bei einer Spitzenaufhängung 
eintritt und Ursache der ungenaueren Einstellung des Zeigers war. Ferner wurde die Spitze beim Transport 
lädiert oder bei längerem Gebrauche stumpf. Bei unserem Galvanometer No. 453 ist durch eine sehr bequeme 
Arretierung die Spitze beim Transport vor Beschädigung geschützt; sollte sie aber nach längerem Gebrauch 
stumpf geworden sein, so kann sie leicht, ohne dass das Galvanometer auseinandergenommen wird, herausgenommen 
und nachgeschliffen oder durch eine neue ersetzt werden. Letzteres ist auch bei den No. 451a—c möglich. 
Bei dem transportablen Horizontal-Galvanometer No. 454a mit Fadenaufhängung sind diese 
Mängel sämtlich vermieden. Dasselbe hat deshalb sehr genaue Einstellung des Zeigers, ausgezeichnete Kupfer¬ 
dämpfung und eine sehr solide kompendiöse Form, weshalb es äusserst bequem zu transportieren ist, umsomehr, 
als bei Benutzung der sehr praktischen Arretierungsvorrichtung es unmöglich ist, dass der Kokonfaden zerreisst. 
Die stationären Galvanometer nach Dr. Müller-Edelmann und Prof. v. Ziemssen haben Faden¬ 
aufhängung, ausgezeichnete Kupferdämpfung und vertikale, weithin sichtbare Teilungstrommel, wodurch ein sehr 
bequemes Ablesen ermöglicht ist. _ 44 _
        

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