Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Katalog über Elektro-medizinische Apparate von Reiniger, Gebbert & Schall: Elektrotechnische Fabrik Abteilung A Erlangen Luitpoldstrasse 45
Person:
Reiniger Gebbert Schall
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17689/4/
Einleitung. 
Um elektrische Apparate zu medizinischen Zwecken mit Erfolg zu handhaben und 
Fehlerquellen sowie häufige Reparaturen zu vermeiden, sind immerhin soviel elektro - technische 
Kenntnisse notwendig, wie man sie bei den Ärzten, die so mannigfache Disziplinen bearbeiten 
müssen, auch bei guter physikalischer Vorbildung, nicht voraussetzen darf; und doch wird erst 
durch solche Kenntnisse der Arzt einigermassen vom Mechaniker unabhängig. Wir glauben 
daher im Interesse auch der Ärzte zu handeln, wenn wir hier einige allgemeine Bemerkungen 
über elektro-medizinische Apparate und deren Handhabung vom technischen Standpunkte aus 
zusammenstellen. 
Wissenschaft und Technik machen Riesenfortschritte in der Erforschung und in der 
Anwendung der Elektrizität. Es dürfte aber äusserst schwierig sein, erschöpfend und doch 
leicht verständlich zu erklären, was Elektrizität eigentlich ist. Indessen werden wir das wenigstens 
als festgestellt betrachten dürfen, insbesondere durch die Versuche von Hertz, dass die Elektri¬ 
zität eine Wellenbewegung des Äthers ist, ähnlich wie Licht und Wärme, nur von einer 
sehr viel grösseren Wellenlänge als die der letztgenannten Formen von Energie. Sie steht 
zu diesen in nahen Beziehungen und lässt sich auch leicht in sie überführen. 
Wir besitzen verschiedene Mittel und Wege, Elektrizität zu »erzeugen«, so durch 
Reibung, thermische und chemische Prozesse, Induktion. Alle diese Methoden kommen zur 
Anwendung, um elektrischen Strom für medizinische Zwecke hervorzurufen. Bevor wir jedoch 
näher hierauf eingehen, wird es wünschenswert sein, einige Allgemein-Begriffe auseinanderzusetzen. 
Positiv und negativ. Wenn wir einen Glas- oder Siegellackstab mit einem trocknen 
Woll-Lappen oder Fell reiben und den Fingerknöchel der geriebenen Stelle nähern, so erscheint 
ein kleiner Funken. Der Stab ist durch Reibung elektrisiert. Das erkennt man ausserdem 
daran, dass ein solcher Stab, wenn beispielsweise von Glas, leichte Dinge, wie Papierstückchen, 
anzieht, sie elektrisiert und sie unmittelbar nach der Berührung wieder abstösst. Ein Siegellack¬ 
stab dagegen zieht, nachdem er gerieben worden ist, die durch den Glasstab elektrisierten 
Papierstückchen energisch an. Dies zeigt, dass die Elektrizität in dem Glasstab nicht dieselbe ist, 
wie die in dem Siegellackstab: es giebt also zwei Arten von Elektrizität. Man nennt nun allgemein 
die Elektrizitätsart, welche durch Reibung des Glasstabes hervorgerufen wird, die positive, 
dagegen wird die an Siegellack oder Ebonit erzeugte als negative Elektrizität bezeichnet. Béide 
Elektrizitätsarten verhalten sich so zu einander, dass gleichnamige Elektrizitäten sich abstossen, 
während ungleichnamige sich anziehen. 
Übrigens wird durch die Reibung nicht eigentlich in dem Stabe eine neue Kraft er¬ 
zeugt, vielmehr vereinigt in sich der Stab in normalem, d. h. ungeriebenem Zustande beide 
Elektrizitätsarten, die positive wie die negative, in gleichen Mengen; dadurch, dass dieselben 
sich gegenseitig binden, können sie nach aussen keine Kräfte äussern. Durch die Reibung 
aber werden die Elektrizitätsarten von einander geschieden, und man ist dann in der Lage, ihr 
Vorhandensein zu konstatieren. 
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