Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Katalog über Elektro-medizinische Apparate von Reiniger, Gebbert & Schall: Elektrotechnische Fabrik Abteilung A Erlangen Luitpoldstrasse 45
Person:
Reiniger Gebbert Schall
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17689/14/
Leclanché-Elemente (siehe Katalog Abteilung I, No. 478 a—d). Wir wollen uns zu¬ 
nächst den Elementen der letzteren Gruppe, den Leclanché-Elementen, welche die weitestverbreiteten 
sind, zuwenden. Für Galvanisation und Elektrolyse wird es schwer sein, ein zuverlässigeres und 
in jeder Beziehung bequemeres Element zu finden als eben das Leclanché-Element. Die beste 
Zusammensetzung desselben besteht aus einem aus Braunstein und Kohle gepressten Zylinder, 
in dem sich ein Zinkstab befindet. Beide stehen in der Salmiaklösung. Die EMK ist circa 
1,48 Volt bei einem massig grossen innern Widerstande, der je nach der Grösse 0,5 
bis 1 Ohm beträgt. Solange der Strom nicht geschlossen ist, findet theoretisch gar kein, 
praktisch sehr wenig Materialverbrauch statt. Das Leclanché-Element 
(siehe nebenstehende Figur 2) ist stets dienstbereit, und ein gut kon¬ 
struiertes Element von der Grösse, wie sie gewöhnlich für stationäre 
Batterien verwendet werden (9 X 9 X 20 cm), hält durchschnittlich 
über 3 Jahre, ehe die Elektroden ersetzt werden müssen. Dabei ist 
jeder Teil dieser grossen Elemente so leicht zugänglich, dass sie sehr 
bequem ohne technische Hilfe gereinigt und neu gefüllt werden können. 
Elemente dieser Grösse können die für medizinische Zwecke verlangte 
Stromstärke täglich für viele Stunden hintereinander abgeben. Leclanché- 
Elemente sind überhaupt in allen Fällen, in denen die Batterien eine 
günstige Form haben sollen und das Gewicht nicht sehr in Frage 
kommt, allen anderen entschieden vorzuziehen, und wenn man nur 
eine grosse Sorte Leclanché-Elemente verwendete, würden die Klagen 
über mangelhafte Batterien fast gänzlich verstummen. Um Leclanché- 
Elemente zu reinigen, werden die an der Kohle, hauptsächlich aber 
an dem Zink anhaftenden Krystalle mit einem Messer abgeschabt, Kohlen und Gläser gewaschen, 
die Elemente wieder zusammengesetzt und mit gesättigter Salmiaklösung gefüllt. 
Trocken-Elemente. Leclanché-Trocken-Elemente sind in den letzten Jahren bedeutend 
verbessert worden. Da keine Flüssigkeit verwendet wird, ist Verschütten und Oxydieren unmög¬ 
lich, ein sehr grosser Vorteil für alle tragbaren Batterien. Sie können sogar umgekehrt werden. 
Elemente von 3x3x11’/r cm haben noch eine Kapazität von 4 Ampèrestunden, sodass sie 
für 4000 Applikationen von 6 MA und einer Dauer von je 10 Minuten ausreichen. Bei normalem 
Gebrauch werden darum die Batterien jedenfalls für 2 bis 3 Jahre halten. Sie können gefüllt 
über die ganze Welt versandt werden und eignen sich ganz vorzüglich für grosse tragbare 
Batterien. Wenn die Elemente erschöpft sind, können sie nicht wieder gefüllt werden, sondern 
müssen durch neue ersetzt werden. Neue Elemente können aber per Bahn bezogen und sehr 
leicht an die Stelle der alten Elemente in die Batterien eingesetzt werden ohne Werkzeuge 
oder technische Kenntnisse. Zu bedauern ist nur, dass die Trocken-Elemente bisher noch so 
unzuverlässig sind, dass sie häufig schon früh versagen. Die EMK dieser Elemente ist 1,5 Volt 
und ihr innerer Widerstand ca. 0,5 Ohm. 
Säure-Elemente. Säure-Elemente haben, was Reinlichkeit und Bequemlichkeit betrifft, 
verschiedene Nachteile gegenüber Leclanché-Elementen. Da es Tauch-Elemente sein müssen, 
können sie nicht so gut verschlossen werden, und daher ist auch ein Verschütten und Verdunsten 
der Flüssigkeit nicht ganz zu verhüten. Durch Wahl geeigneter Formen der Säuregefässe ist 
jedoch diese Gefahr in den letzten Jahren bedeutend verringert worden. Säurebatterien 
müssen bei täglichem Gebrauch etwa alle zwei bis drei Monate einmal gereinigt und frisch 
gefüllt werden. Diese Neufüllung kann aber von dem LTngeübtesten leicht vorgenommen werden, 
und es erfordert auch am wenigsten Erfahrung und Geschicklichkeit, diese Batterien in Ordnung 
zu halten. Sie eignen sich darum vorzüglich für den Gebrauch in Gegenden, in denen tech¬ 
nische Hilfe schwer erhältlich ist, namentlich aber für die Ärzte, die ihre Batterien unregelmässig 
gebrauchen. Pis genügt eine Stunde, die Batterie zu reinigen und wieder in Stand zu setzen, 
auch wenn sie vorher ein Jahr lang unbenutzt gestanden hat. Es ist dies jedoch nicht ihr 
einziger Vorteil, sondern sie sind auch die kräftigsten Primär - Elemente. Sie haben nämlich 
eine sehr hohe EMK, 1,8 Volt, und einen sehr geringen innern Widerstand, sodass dem¬ 
zufolge 22 Säure-Elemente schon stärker sind als 30 Leclanché-Elemente. Vorzüglich 
eignen sie sich für die starken Ströme, wie sie in der Elektrolyse verwendet werden. Dabei 
nehmen sie einen kleinen Raum ein und sind billig. Die Zinke halten bei mittlerem Gebrauch 
etwa 5 Jahre, und können ohne technische Hilfe leicht ersetzt werden, sodass der Besitzer 
Fig. 2. 
XI
        

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