Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Katalog über Elektro-medizinische Apparate von Reiniger, Gebbert & Schall: Elektrotechnische Fabrik Abteilung A Erlangen Luitpoldstrasse 45
Person:
Reiniger Gebbert Schall
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17689/12/
sprechenden Batterien in Konstruktion und Grösse von einander abweichen. So z. B. benötigt 
man für Kaustik eine sehr hohe Stromstärke (bis zu 25 Ampère) bei einer Spannung von nur 
etwa 4 Volt. Bei der Konstruktion einer kaustischen Batterie war man also vor allem darauf 
bedacht, hohe Stromstärken zu erhalten. Die Elemente müssen einen möglichst geringen inneren 
Widerstand besitzen, d. h. sie müssen grosse Elektroden-Oberfläche haben. Da das zu den 
Schlingen und Brennern verwendete Material (Platin) einer der besten Leiter ist und demzufolge 
einen ganz geringen Widerstand besitzt, so bedarf es nur 2 bis 4 solcher Elemente, um die 
Kauter zum Glühen zu bringen. 
Solche Batterie von höchstens 4 grossen Elementen ist jedoch ungenügend für Galvani¬ 
sation, da man bei derselben im Gegensatz zur Kaustik bei einer ganz geringen Stromstärke 
von etwa 0,05 Ampère eine höhere Spannung benötigt, um den grossen Widerstand eines 
menschlichen Körpers von beispielsweise 1000 Ohm zu überwinden. Da jedes Element etwa 
1,5 Volt Spannung besitzt, so wären mindestens 34 Elemente hierzu nötig. Da jedoch nur ganz 
kleine Stromstärken in Anwendung kommen, so brauchen die Elemente nur kleine Erreger¬ 
oberflächen zu haben. Deshalb können die Dimensionen der einzelnen Elemente gering ge¬ 
wählt werden, so dass eine solche aus etwa 40 Elementen bestehende Batterie ungefähr der¬ 
jenigen für Kaustik mit 4 grossen Elementen an Grösse und Gewicht entsprechen wird. Zwar 
ist bei der Kleinheit der Elemente der innere Widerstand derselben grösser, jedoch kommt 
dieser bei dem unverhältnismässig viel grösseren äusseren (Körper-)Widerstande so gut wie 
gar nicht in Frage. Für Galvanisation benutzt man Batterien von etwa 15 bis 50 Elementen. 
Die meisten Batterien für Galvanisation können auch für Elektrolyse verwendet werden. 
Für Hautelektrolyse sind Batterien mit nur wenigen kleinen Elementen nötig; für diesen speziellen 
Zweck sind solche nach den Angaben von Dr. Joseph zusammengestellt. (Katalog Abt. I, 
No. 513a—518 a.) Für gynäkologische Elektrolyse sind der dafür erforderlichen hohen Strom¬ 
stärken wegen besondere Batterien konstruiert u'orden (Katalog Abt. I, No. 515—517), welche in 
Wirkung den Leclanché-Batterien No. 78 u. 79 entsprechen, die daher auch für die gleichen Zwecke 
verwendet werden können. Da, wie schon erwähnt, bei dieser Art der Elektrolyse eine relativ 
grosse Stromstärke zur Verwendung kommt, so war man auch gezwungen, die einzelnen Elemente 
entsprechend gross zu wählen, so dass sie etwa denjenigen für Endoskopie gleichkommen; jedoch 
benötigt man wieder höhere Spannungen als für diese. 
Zu endoskopischen Untersuchungen ist eine ungefähre Spannung von ca. 8 Volt und 
eine Stromstärke von ca. 1 Ampère erforderlich. Da die Ohmzahl des Widerstandes der 
kleinen Lampen ungefähr gleich der Voltzahl derselben ist (ca. 8 Ohm), so gehören etwa 
5 bis 6 Elemente dazu, um die Lämpchen zum Glühen zu bringen. Es ist hierzu eine bedeutend 
geringere Stromstärke (ca. 1 Amp.) als für Kaustik (10—25 Amp.) erforderlich, dagegen eine 
grössere als für Galvanisation (wenige Milliamp.). So ergiebt sich, dass die Grösse der Elemente 
im Verhältnis der angegebenen Stromstärke gewählt werden muss. 
Eine 4-elementige Batterie für Kaustik kann jedoch bei Hintereinander-Schaltung auch 
für Endoskopie verwendet werden, und zwar reicht dann ein geringes Eintauchen der Zinke und 
Kohlen in die Erregungsflüssigkeit hin, um die für diese Lämpchen erforderliche Stromstärke 
abzugeben. Bei blosser Anwendung von Endoskopie wird man jedoch besonders hierfür kon¬ 
struierte Batterien vorteilhafter finden. 
Beiläufig wäre hier noch zu erwähnen, dass eine Zimmerbeleuchtung mit diesen endo¬ 
skopischen Batterien und Lämpchen zwar möglich wäre, aber erstens in einem grösseren Raume 
eine ungenügende Helligkeit verbreiten, zweitens sehr unökonomisch sein würde, und dass diese 
kleinen Lampen bei Dauereinschaltung nur eine Lebensdauer von einigen Stunden besitzen. Der¬ 
artige Anforderungen an Batterien werden zuweilen gestellt, doch müssen wir davon gänzlich abraten. 
Alle vier hier erwähnten Arten von Batterien sind zum Betriebe eines Induktions- 
Apparates nicht anwendbar, einesteils wegen der zu grossen Stromstärke der Batterien für Kaustik, 
andernteils wegen der zu hohen Spannung der für Galvanisation, Elektrolyse und Endoskopie. 
Für den Induktions-Apparat genügt schon in den meisten Fällen ein einziges Element von der 
dazu bestimmten Konstruktion. Nur wenn mit diesem faradischen ein galvanischer Apparat 
verbunden ist, der seine eigene Batterie hat, setzt man auch für den Betrieb des Induktions- 
Apparates eine Batterie von zwei oder mehr Elementen mit Gruppenschaltung zusammen, damit 
trotz der verschiedenen Stromstärken beim Faradisieren und beim Galvanisieren die einzelnen 
Elemente möglichst gleichmässig in Anspruch genommen werden. 
IX
        

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