Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/733/
Eierlegende und Lebendiggebärende. 
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Die Wiederkäuer bilden zwei Reihen, in der einen, umfas¬ 
send die Kameele und Larna’s, ist das Chorion überall mit vielen 
zerstreuten Zotten besetzt; in der andern, wie bei den Kühen, 
Schafen, Ziegen, Hirschen u. a., isoliren und häufen sieb die Zotten 
in den sogenannten Cotyledonen an, die über das ganze Chorion 
zerstreut sind, während die Zwischenstellen zwischen den Coty¬ 
ledonen zottenlos sind. Ein solcher Cotyledo besteht aus lauter 
Büscheln von zerästelten, gelässreichen Zotten. Der Cotyledo 
uterinus, der hier auch ausser der Zeit der Schwangerschaft 
bleibt, bildet eine hervorragende Stelle des Uterus, die bald die 
Gestalt eines Napfes mit dicken wulstigen Rändern hat, wie bei 
dem Schaf, bald wie bei der Kuh einen Hach erhabenen rund¬ 
lichen Höcker mit zusammengedrückter Basis bildet. Auf der 
Oberfläche des Cotyledo uterinus münden die Canäle, die diesen 
Zoltenbüscbeln entsprechen, deren Wände von den Capillarge- 
fässen der Mutter sehr dicht ausgekleidet sind. 
Das Ei der Faulthiere besitzt auch einzelne läppchenartige 
Cotyledonen, aber sie liegen genähert. Rudolpiii, Abhandl. der 
Akademie zu Berlin. J. 1828. Der Urachus dieser Thiere mündet 
nicht in den Fundus, sondern gegen den Hals der Urinblase ein. 
Zu den Thieren mit beschränktem Mutterkuchen gehören die 
Nager und Insectenfresser. Oft kommen bei den Nagern zwei be¬ 
sondere, einander genäherte Placentae, oft bei denselben Thieren 
nur eine Placenta vor. Ausser der Placenta foetalis des Kaninchens 
ist dessen Ei übrigens glatt und zottenlos. Es ist zwar auch hier 
mit Blutgefässen versehen. Diese sind aber nach v. Baer nicht 
Zweige der Nabelgefässe zur Placenta, sondern der Vasa omphalo- 
meseraica, indem sich der Dottersack und nicht die Allantois um 
den grössten Theil des Eies herumschlägt. Die Allantois der 
Ratte, sah Escuriciit an der Stelle, wo die Placenta ansitzt, in 
ein Faltenlabyrinth gelegt. Die Placenta selbst besteht aus inein¬ 
ander geschobenen Uterin- und Fötalblättchen. Beim Maulvrurf 
konnte Escuriciit am Rande der runden Placenta den Fötaltheil 
vom Uterintheil lösen, ersterer war zottig, letzterer durchlöchert. 
Auch bei den Affen ist die Placenta einfach, und diese gleichen 
hierin, wde in der geringen Entwickelung des Nabelbläschens dem 
Menschen, aber sie besitzen zwei Nabelvenen (Cebus, Mycetes, 
Hapale). Rudolpiii a. a. O. 
Der Mutterkuchen des Menschen besteht durch und durch 
aus zwei Elementen, den sich durchdringenden Theilen der Pla¬ 
centa foetalis und uterina. Die Placenta foetalis besteht aus lauter 
dichten Bäumchen verzweigter, gefässreicher Zotten, die Placenta 
uterina besteht aus der Substanz der Decidua, welche zwischen 
den Zotten bis zur Oberfläche des Chorions dringt und sie überall 
einbettet. Das Verhältniss beider ist jedoch, nach E. H. Weber, 
ein ganz anderes als bei den Säugethieren. Bei den Säugethieren 
stecken die Gefässzotten des Fötus in den gefässreichen Scheiden 
der Placenta uterina nur wie Wurzeln, und beide Capillargefäss- 
systeme berühren sich und tauschen Stoffe aus. Bei dem Men¬ 
schen hingegen sind die Gefässzotten der Placenta foetalis in die 
Weiten, vom Uterus stammenden Blutgefässe, w'elche den ganzen 
Muller’s Physiologie. 2r ßd. Ill, 47
        

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