Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/649/
Von der Begattung. 
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nach unbekannten Snccns prostaticus und dem Saft der Cowper- 
schen Drüsen vermischt. 
Die Begattung ist in beiden Geschlechtern mit Empfindungen 
der Wollust verbunden, aber der Antheil der Geschlechter an 
diesem Act ist sehr verschieden. Bei dem weiblichen Geschlechte 
wird keine Nerventhätigkeit auf den Act einer Erection verwen¬ 
det, keine rhvthmischen heftigen Zusammenziehungen erfolgen 
auf dem Culminationspunct der geschlechtlichen Erregung, und 
es wird kein Samen ergossen, die Ausscheidung beschränkt sich 
bei dem Weibe darauf, dass in Folge der erregten Empfindun¬ 
gen in den weiblichen Geschlechtstheilen eine Ergiessung von 
Schleim aus den Schleimfollikeln der Scheide erfolgt und diese 
schlüpfriger macht. Der Mann empfindet sich nach der Begattung 
erschöpft, das Weib nicht. Aus allem diesem geht hervor, dass 
die Actionen des Mannes bei der Begattung in kurzer Zeit eine 
grosse Heftigkeit erreichen und ebenso schnell abnehmen, während 
diess von dem Weibe nicht behauptet werden kann. Das Organ 
der Wollust die Clitoris, welche bekanntermassen beim Weibe am 
meisten der Wollustempfindungen fällig ist, wird nicht so wie die 
Ruthe des Mannes durch Friction zur Acme der Empfindungen 
gebracht, da sie bei der Begattung der Friction nicht ausgesetzt 
ist. Daher bleibt das Organ auch nach vollzogener Begattung 
noch zum Theil in seiner Erregbarkeit. Es wird daher nicht 
fehlerhaft seyn zu schliessen, dass die Empfindungen des Weibes 
bei der Begattung weder so schnell steigen, noch so schnell ab¬ 
nehmen als bei dem Manne. Und damit stimmt die Erfahrung, 
dass die Frauen die häufige Begattung leichter als die Männer 
ertragen, und dass die Tabes dorsalis selbst unter den weiblichen 
Wüstlingen selten ist, während sic beim männlichen Geschlechte 
bekanntlich sehr häufig ist. 
Die Clitoris, obgleich sie ihrer Genesis nach mit der Ruthe 
übereinstimmt, weicht doch wesentlich ihren Eigenschaften nach 
von dieser ab, dass sie in der Regel keiner eigentlichen Erection 
fähig ist. Bei den Ateles ist die Clitoris regelmässig von unge¬ 
heurer Länge, und hat deswegen zu den Mährchen von der gros¬ 
sen Clitoris wollüstiger Aeflinnen Veranlassung gegeben. Diese 
Clitoris besteht aus starken cavetnösen Körpern, aber ich habe in 
diesen nichts als Fett gefunden, während die Empfindungsnerven 
der Ruthe, Nervi dorsales sehr dick waren. Siehe Fugger de 
singulari clitoridis in Simi.ii generis Ateles magnitudine et conforma- 
tione.Berol.lS35. Jene Bildung ist den Ateles eigen; bei den Aef- 
finnen anderer Gattungen zeigt die Clitoris nichts ungewöhnliches. 
1 IT. Lösung der Eier vom Eierstock und Aufnahme in 
die Tuben. 
Die Lösung der Eier vom Eierstock erfolgt bei den eierle¬ 
genden Thieren entweder unabhängig von der Befruchtung oder 
in deren Folge. Bei den nackten Amphibien, deren Eier ausser 
dem Körper der Mutter befruchtet werden, wie bei den frosch- 
artigen Thieren, lösen sich die Eier lange vor der Zeit der Be-
        

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