Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/497/
2. Vom Gesc/imacksorgan. 
li)i 
man den Lingualis, so lange er noch mit dem centralen Ende 
in Verbindung siebt, so ist zu befürchten, dass eine Zuckung 
der Zunge und anderer Theile durch Reflexion entstehe, wie ich 
sie selbst neulich einmal beobachtete. 
In Hinsicht der Controverse, welcher der Nerven der Zunge, 
ausser dem motorischen Hypoglossus, als Geschmacksnerve anzu¬ 
sehen sey, der N. lingualis oder glossopharyngeus, und der An¬ 
sicht von Panizza, Biscuoff u. A. über diesen Punct verweise ich 
aui das früher mitgetheilte und Bischoff im encyclop. Wörter!), 
der med. Wissensch. R. Wagner tritt aus physiologischen und 
anatomischen Gründen der Theorie von Panizza bei (Frohiep’s 
Not. 1837. N. 75.), ebenso Valentin und Bruns Versuchen zu¬ 
folge, während die Versuche von Kornfeld, Gurlt und mir jener 
Ansicht nicht günstig sind. Vergl. Muell.Arch. 1838. CXXXIV. 
Valent. Repert. 1837. 221. Valentin’s Versuche betrachte ich 
nicht als entschieden zum Vortheil jener Theorie sprechend, da 
vierzehn Tage nach der Durchschneidung des Glossopharyngeus 
ein Thier wieder anfangen soll zu schmecken. Dieser Zeitraum 
ist so kurz, dass es gerade hierdurch wahrscheinlich wird, dass 
die Thiere den Geschmack nicht verloren hatten. Alcock’s Ver¬ 
suche (Lond. med. gaz. 1836. Nov.) hatten kein ganz entschiede¬ 
nes Resultat. Der Geschmack für Bitteres war nach Durch¬ 
schneidung des Glossopharyngeus verloren, nach Durchschnei 
dung des Lingualis nur am vordem Theile der Zunge verloren. 
Der Verf. thcilt sowohl dem Glossopharyngeus als Lingualis und 
auch den Gaumerfästen des Quintus Geschmack zu, die Ver¬ 
suche an diesen letztem Nerven fielen nicht ganz definitiv aus. 
Von grosser Wichtigkeit sind die pathologischen Beobachtungen, 
dass nämlich nach Zerstörung des Quintus der Geschmack verlo¬ 
ren geht, wie in den Beobachtungen von Parry, Bishop und 
Romberg vorliegt. Druck, einer Geschwulst auf den N. lingualis 
brachte Verlust des Geschmacks hervor. Siehe Muell. Arch. 
1834. 132. und Romberg in Muell. Archiv. 1838. 3. Hcjt. Im 
letztem Fall war bei einer Person, die auf der einen Seite dei 
Zunge nicht schmeckte und nicht fühlte, der Anfang des dritten 
Astes durch eine kleine Geschwulst verändert, der Glossopharyn¬ 
geus aber gesund. 
Dass der Lingualis der Hauptgeschmacksnerve der Zunge ist, 
halte ich aus den Versuchen von Magendie, Gurlt, Kornfeld 
und mir, so wie aus den pathologischen Beobachtungen von Parry, 
Bishop und Romberg erwiesen, nicht aber für erwiesen, dass der 
N. glossopharyngeus ohne Antheil am Geschmack am hintern Theil 
der Zunge und in den Fauces ist. Romberg schreibt ihm die 
Empfindung des Eckels zu, wodurch der Eingang in das Verdau¬ 
ungssystem geschützt wird. 
111. Capitel. Vom Geschmack und von den Wirkungen 
der Geschmacksnerven. 
Eine Theorie der verschiedenen Gcschinackswirkungeu ist 
vollends unmöglich. Das Qualitative des Geschmacks an stell, in
        

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