Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/47/
3. Muskelbewegung. Lebenseigenschaften der Muskeln. 43 
und Verkürzung der dünneren Stellen zwischen den Varicositä- 
ten der Primitivfasern. Dass eine solche Zusammenziehung statt¬ 
finde, lässt sich weder behaupten noch widerlegen. Da die Va¬ 
ricositaten in der ganzen zweiten Classe der Muskeln fehlen, so 
würde jede Theorie der Muskeleontraction fehlerhaft seyn, wel¬ 
che von diesen Anschwellungen der Primitivfasern allein ausgeht. 
Indess kann diese Annäherung der Kügelchen sehr gut neben 
den übrigen Zusammenziehungen, welche sich in den secundären 
und primitiven Bündeln zeigen, in den animalischen Muskeln 
Vorkommen; und es ist sogar aus einigen Gründen wahrschein¬ 
lich, dass sie wirklich hier stattfindet. Dafür spricht nämlich 
der Umstand, dass die \ aricositaten seihst zur bauschförmigen 
Contraction alicpioter Tdieile der Bundelchen eben so wenig als 
zur zickzackförmigen Zusammenziehung der Bündel nötliig sind; 
indem auf jede Biegung eine ganze Beihe von Varicositaten kom¬ 
men ; zweitens spricht dafür der positive Grund, dass die Vari¬ 
cositaten der Fasern und die primitiven Querlinien der Bündelchen 
des animalischen Systems nach Schwann’s Untersuchungen an 
neben einander liegenden Bündelchen nicht immer gleich weit von 
einander entfernt sind. Weiter lässt sich diese Hypothese nicht 
führen. Wenn aber eine solche Annäherung der Varicositaten 
stattfinden sollte, so könnte sie auf zweierlei Art denkbar statt- 
finden, entweder durch Anziehung der Anschwellungen oder Kü¬ 
gelchen gegen einander, wenn letztere ganz solid sind, oder durch 
Vergrösserung der Kügelchen durch Anhäufung eines Fluidums 
in den Varicositaten, auf Kosten der verbindenden Zwischen¬ 
stellen, wenn nämlich die Primitivfasern der Muskeln hohl seyn 
und ein Fluidum enthalten sollten. Hierüber mehr zu sagen ist 
überflüssig und gefährlich, da man sich von der Basis der Facta 
entfernen müsste. Es ist hei dem jetzigen auch noch so vollkom¬ 
menen Zustande der Instrumente und vielleicht niemals möglich zu 
entscheiden, oh diese so unendlich zarten Fäden, wie die primiti¬ 
ven Muskelfasern sind, solid oder hohl sind, und die Vorstellun¬ 
gen und kühnen Hypothesen der Alten hierüber hier zu wieder¬ 
holen, kann nicht die Aufgabe dieses Werks, sondern der Geschichte 
der physiologischen Hypothesen seyn. Haller elem. lib. S. 3. 
Rigor mortis. Nysten a. a. O. Guentz der Leichnam des 
Menschen. Leipz. 1827. Burdach Physiologie. Ild. 3. Nicolai, 
Rust’s Magazin. 34. 2. A. G. Sommer diss. de. signis mortem ho¬ 
minis absolut am indicant ibus. Pars 2. Haimiae 1833. 8. Die Tod- 
tenstarre, Rigor mortis, ist eine nach dem Tode durch die Mus¬ 
keln bewirkte Steifigkeit der Glieder, welche zu einer gewissen 
Zeit eintritt und aufhört. Sie beginnt gewöhnlich nach Sommer 
am Halse und Unterkiefer, geht dann auf die oberen Extremitä- 
en von oben nach abwärts, dann auf die unteren Extremitäten 
über; seltener beginnt sie in den unteren Extremitäten, oder in 
einen zugleich. Sommer fand in 200 Fällen nur einmal die 
“J^me, dass der Rigor nicht am Halse begann. Die Muskeln 
u len sich im Rigor, Beuger sowohl als Strecker, fester und 
lc ei an. Nach Sommer findet beim Rigor sogar eine leise Be- 
weSung statt. Sommer fand die Behauptung von Nysten unrich-
        

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