Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/416/
410 V. Buch. Von den Sinnen. II. Abschn. Vom Gehörsinn. 
Wasser, deren Grenzen wieder senkrecht auf die Seite der Platte 
sind. Daher erhält man eine sternförmige Figur im Wasser, wenn 
die Platte rund ist. Eine genügende Erklärung dieser Erschei¬ 
nungen ist für ietzt nicht möglich. 
Faraday sagt, der kleinste mögliche Unterschied :n irgend 
einem Umstande könne während der Schwingungen einer Platte 
eine Erhebung oder Depression des Fluidums bedingen, und so 
den ersten Anstoss zum Phaenomcn geben, allein ich glaube nicht, 
dass man hieraus allein und ohne eine regelmässige Unterabtheilung 
oder ohne die Wellenbewegung im tönenden Körper jene so re¬ 
gelmässigen Erscheinungen erklären kann, obgleich eine befriedi¬ 
gende Erklärung auch in dieser Weise für jetzt nicht möglich ist. 
Uebrigens sind die Wellen bei der Schallleitung, Verdich¬ 
tungswellen, auch im Wasser, wie in der Luft. Die zuletzt er¬ 
wähnten Wellen an der Oberfläche des Wassers aber sind Erhe- 
bungs- oder Beugungswcllcn. 
Die Geschwindigkeit der Fortpflanzung des Schalls hängt von 
der Dichtigkeit und Elasticität der Köiper ab. In trockner Luft 
beträgt diese in 1 Secunde hei 0° Wärme 332,49 Meter oder 
1022,194 P. Fuss. Durch Wärme wird sie vergrössert. Im 
Wasser geschieht die Fortpflanzung des Schalls ohngefähr viermal 
so schnell, als in der Luft. Feste Körper leiten den Schall noch 
schneller. Eisen leitet den Schall 10:'- Mal, IIolz 11 Mal so schnell 
als die Luft. 
In Hinsicht der Reflexion verhalten sich die Schallwellen, 
wie die Lichtwellen, sie werden beim Uebergang in ein ungleich¬ 
artiges Medium theils weiter geleitet, theils reilectirt. Eine im 
Brennpunctc eines Hohlspiegels aufgestellte Uhr, lässt ihr Picken 
in dem Brennpunct eines andern, die Schallstrahlen sammelnden 
Hohlspiegels hören. Da sich die Schallwellen der Luft schwerer 
den festen Körpern mittheilen, als sie in der Luft weiter geleitet 
werden, so erhält sich die Stärke des Schalls in einem Commu- 
nicationsrohr sehr vollkommen, so wie hinwieder die einem stabför¬ 
migen festen Köiper mitgetheilten Schallwellen in grosse Fernen fast 
unverändert ihre Stärke erhalten. Ein Sprachrohr stellt eine Pa¬ 
rabel vor, in deren Brennpunct der Schall erregt wird. Zufolge 
der Reflexion an den Wänden der Parabel gehen die Schallstrah¬ 
len in Richtungen fort, welche mit der Achse parallel sind. Vergl. 
oben p. 396. Die Ursache der Verstärkung ist grossentheils das 
Zusammenfallen der ursprünglichen Wellen mit den reflectirten, 
wodurch grössere Verdichtungen entstehen. Aber auch die Re¬ 
sonanz der begrenzten Luftmasse im Rohr kommt in Betracht. 
Denn die Luft einer an beiden oder an einem Ende offenen Röhre 
resonirt, wenn sie den Schall leitet. Das Hörrohr wird gegen 
das Ohr enger und condensirt demnach die Schallwellen. Sind 
seine Wände parabolisch und befindet sich das Ohr nahe dem 
Brennpuncte der Parabel, so kommen Schallwellen, deren Direc- 
tionen der Achse der Parabel parallel sind, in einem dem Ohr 
nahen Pnnctc zusammen. Eisenlohr a. a. O. p. 164. Ein Nach¬ 
hall entsteht, wenn bei grösserer Entfernung einer reflectirenden 
Wand, die reflectirten Wellen merklich später zum Ohr gelangen,
        

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