Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/343/
2. Vu/ii Auge als u/jt. Werkzeug. Innere Veränderungen. 337 
ist einem Beobachter nicht gelangen. Ich erwähne ihn nochmals, 
weil er mir immer dasselbe Resultat giebt. Treviranus Erklärung 
davon ist ungenügend. 
Aus diesen Thatsachen ergiebt sieb, dass die Veränderung 
der Augenachsen gegeneinander, Veränderung der Accomodation 
bedingt, selbst dann, wenn nur das geschlossene Auge seine Stel¬ 
lung gegen das offene verändert. Es ist gerade so mit den Be¬ 
wegungen der Iris, bleibt das eine oflene Auge unveränderlich 
nach einem Punct gerichtet, bewegt sich aber das geschlossene 
Auge, so ändert sich die Grösse der Pupille auch in dem offenen 
Auge durchaus, wie es die Convergenz der Sehachsen erfordert, 
und dadurch hat man eine scheinbare Wilikühr über die Pupille, 
wovon im 1. Bd. gehandelt worden. Die Bewegung der Iris mit den 
Augenachsen sahen wir als eine Mitbewegung an, da sie nur ein tritt 
bei der V irkung der vom N. oculomotorius versehenen Muskeln, 
welcher auch die Bewegungsnerven der Iris durch die kurze 
Wurzel des Ganglion ciliare ahgiebt. So mag auch die Accomo¬ 
dation eine Milbewegung mit der Bewegung der Augenmuskeln 
nach innen seyn, die entweder durch einen nähern organischen Zu. 
sämmenhang in der Nervenwirkung, oder durch Gewohnheit ein¬ 
getreten ist. Die Mitbewegung der Iris mit der Bewegung der 
Augenachsen hat indess schwerlich ihren Grund in einer un¬ 
gewohnten Verbindung. 
Es giebt auch einigen geringen Einfluss der Wilikühr auf 
die Accomodation, ohne dass die Achsen der Augen sich nolh- 
wendig verstellen, und dieser Umstand zeigt eben, dass jene Ver¬ 
bindung secundär, aber nicht eines die constante Ursache des 
Andern ist. Plateau hat eine Beobachtung an sich mitgetheiLt, 
dass das 1 ndeutliehw erden der Gegenstände durch Abänderung 
des Beiractionszustandes auch ohne Veränderung der Stellung der 
Augen erzwungen w erden kann, durch eine willkührliche Anstren¬ 
gung des Auges. Auch ich bemerkte schon früher, dass manch¬ 
mal hei grosser Anstrengung uns wirklich das Undeutlichsehen 
ohne Doppelbilder, jedoch nur sehr flüchtig zu gelingen scheine, 
erinnerte aber, dass auch hei dieser Art des Undeutiichsebens, 
ohne örtlich getrennte Doppelbilder diese doch vorhanden seien, 
nur zum Th eil sich decken. Versuche, die ich seither an mir 
anstellte, bestimmen mich mit Plateau vollkommen iibereinzu- 
stimmeii, dass man nämlich, so sehr auch der Befractionszustand 
des Auges an die \ eränderung der iNeigung der Sehachsen ge¬ 
knüpft ist, doch mit grosser Uebung bei unveränderter Stellung 
der Sehachsen auf einen Gegenstand, diesen durch willkührliche 
Veränderung des Beiractionszustandes undeutlich sehen kann, in¬ 
dem man den Relractionszustand für eine andere Ferne ändert. 
Die Iris verändert sich, auch, wie Plateau zeigt, hei diesem Un- 
deutlichsehen, indem die Pupille weit wird hei dem Refractions- 
zustand iür das deutliche Sehen in der Ferne und umgekehrt. 
Diess wäre ein Beispiel von fast rein willkührlicher Bewegung 
«1er Iris, in sofern in diesem Falle die Bewegung wenigstens nicht 
du die willkührliche Bewegung der Augenmuskeln nach innen und 
nben geknüpft ist. Muell. Archiv. 1837. CL.
        

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