Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/314/
308 V. Buch. Von den Sinnen. I. Ahschn. Vom Gesichtssinn. 
den Insecten und eigentlichen Krebsen im engem Sinne (Decapo- 
den) ist auch die Hornhaut musivisch abgctheilt, und jede kleine 
Abtheilung, Facette, entspricht einem durchsichtigen Kegel, mit 
welchem sie verbunden ist und einer Sehnervenfaser, die wieder den 
Kegel aufnimmt. Die Facetten der Hornhaut sind hei den Insec¬ 
ten sechseckig, hei den Krebsen selten, wo sie sich meist der 
viereckigen Form nähern, obgleich die Theilungen hier nicht 
durch gerade Linien geschehen können, sondern auf der convexen 
Oberfläche des Auges auch durch Curven bewirkt werden müssen. 
Die Facetten sind selten auswendig und inwendig etwas erhaben 
oder linsenförmig, wie bei den Schmetterlingen, meist vielmehr 
ziemlich eben, und sogar bedeutend dick, wie hei den Orthopte¬ 
ren und Käfern, liei der Aehnlichkeit ihrer hintern und vordem 
Fläche kann man von der Wirkung derselben auf das Licht im 
Allgemeinen wenig erwarten, wie sie denn auch hei einer grossen 
Zahl der Crustaceen, namentlich bei den Entomostraca nach mei¬ 
nen Beobachtungen gänzlich fehlen, während doch die durchsich¬ 
tigen Kegel hier ebenso gut vorhanden sind. In diesem Fall ist 
die Oberfläche der Hornhaut, sowohl inwendig als auswendig, 
vollkommen glatt, und nur in diesem Falle sind auch die Basen 
der Kegel, welche sonst mit den Facetten der Hornhaut verbun¬ 
den sind, abgerundet. Zwischen den durchsichtigen Kegeln und 
seihst zwischen den Fasern des Sehnerven liegt Pigment, bald 
dunkler, bald heller, schwärzlich, violetschwarz, blauschwarz, pur- 
purroth, braun, braungelb, hellgelb, grün u. s. w. Zuweilen lie¬ 
gen selbst mehrere Schichten von verschiedenen Farben überein¬ 
ander. Zwischen den Kegeln steigt das Pigment bis zur Hornhaut 
herauf, und bedeckt selbst in einigen Fällen die vordere Fläche 
oder Basis der Kegel bis auf eine mittlere, jedem Kegel eigene 
Pupille; die besonders dann deutlicher ist, wenn die Kegel sein- 
kurz sind, wie bei den Dipteren. In anderen Fällen sind die Ba¬ 
sen der Kegel von Pigment ganz frei, und letzteres erreicht bloss 
die Theilungsstellen der Facetten. In den Augen der niederen 
Crustaceen, deren Hornhaut facettcnlos sind, stecken die kegelför¬ 
migen, durchsichtigen Körper mit ihren Spitzen, und dem gröss¬ 
ten Theile ihrer Länge im Pigmente, während ihre runden Enden 
daraus hervorsehen, und der innern Fläche der vollkommen glat¬ 
ten Hornhaut zugewandt sind. Die Zahl der Facetten und Kegel 
ist übrigens sehr verschieden, meist sehr gross, mehrere Tausende, 
in einem Auge bis zwölf und zwanzig Tausend; selten sind sie 
wenig zahlreich, wie bei einigen Entomostraca. Die Verbindung 
der Sehnervenfasern mit den Kegeln ist noch näher von B. Was¬ 
ser untersucht. Bei den Insecten setzt sich die Faser scheiden¬ 
förmig über die Seiten der Kegel fort, da die Nervenfasern bei 
den höheren Thieren aus Röhre und Inhalt bestehen, so kann 
man vermuthen, dass die Röhre vorzugsweise diese Scheide bilde. 
Siehe über diesen Gegenstand Wieg. Arch. 1835. I. 372. und 
Muell. Arch. 1836. 613. 
Es wurde schon erwähnt, dass die Augen vieler Crustaceen 
nach meinen Beobachtungen ohne Facetten der Hornhaut, und 
dass die Basen ihrer Kegel abgerundet sind. Ich stellte daher
        

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