Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/312/
306 V. Buch. Von Jen Sinnen. I. Ahschn. Vom Gesichtssinn. 
den Lichtes besitzen. Es fragt sieh, ob diess auch von den soge¬ 
nannten Augenpuncten der Würmer und anderer niederer Thie- 
re gelten könne, oder ob diesen Augen die optischen Werkzeuge 
mangeln, und ob solche Augen nicht vielmehr bloss das Helle und 
Dunkle im Allgemeinen, Tag und Nacht unterscheiden können. 
Ueber das Vorkommen dieser Augenpuncte siehe oben p. 281. 
Hirudo medicinalis hat zehn Augen, die in einem Halbzirkel an 
der vordem Flache des Kopftbeils über dem Munde stehen. Sie 
sind nach Weber über die Oberfläche wie eine Warze erhaben, 
und verlängern sieh wie Cylinder in das Innere des Thiers. Das 
Ende der Augen ist von einer convexen, sehr durchsichtigen Mem¬ 
bran bedeckt, unter welcher am Ende jedes Auges sieh eine schwarze 
Platte befindet, der untere Theil der Cylinder ist schwarz. Pu¬ 
pille und durchsichtige Thcile sind nicht bemerkt worden. Diese 
Theile erkennt man auch an den halbmondförmigen Augen meh¬ 
rerer Planarien nicht. Ich untersuchte den Bau der Augenpuncte 
bei den Nereiden. Bei der Gattung Nereis And. et Edw. linden 
sich vier schwarze Augenpuncte auf der Oberfläche des Kopfes 
im Viereck gestellt. Sie sind nicht erhaben und vielmehr einfach 
von der Epidermis des Kopfes bedeckt. Die Augen sind hinten 
rund, nach der Lichtseite platt, und bestehen aus einer becher¬ 
förmigen, hohlen, schwarzen Membran, und einem runden weissen 
undurchsichtigen Körper, welcher darin enthalten ist, und sieh 
in den Sehnerven verlängert. Die vier Sehnerven der vier Augen 
senken sieh jeder besonders in die obere Fläche des Gehirns ein. 
Bei diesem Thiere hat man es also mit Augen ohne durchsichtige 
optische Werkzeuge zu thun. Die in der Choroidea enthaltene 
Anschwellung ist dem Lichte zugänglich, da an der Lichtseite 
die CI îoroidea fehlt, und cirkolförmig ausgeschnitten ist. Aber diese 
Anschwellung scheint nur das papillenförmige Ende des Sehnerven 
zu seyn; denn sie war undurchsichtig, von demselben Aussehen 
als der Sehnen e, in welchen sie sich deutlich fortsetzte, und fein¬ 
körnig. Allerdings war die Nereide vorher in Weingeist aufbe¬ 
wahrt worden, aber die durchsichtigen Organe in den Augen der 
lnsecten, Spinnen, Schnecken behalten ihre helle Durchsichtigkeit 
an in Weingeist aufbewahrten Thieren. J. Mukei,er ann. d. sc. 
liai. XXII. p. 19. Rathke {de Bopyro et JSereide. Bigac 1837.) 
bat bei Nereis Dumerilii ebenfalls den pupillenartigen Ausschnitt 
der Choriodea beobachtet. Derselbe hat aber auch eine zweite 
Form der Augen aus der Familie der Nereiden, nämlich bei der 
Gattung Lycoris beschrieben, wo diese Pupille fehlte, und wo die 
schwärzliche Choroidea vielmehr das ganze Auge umgab. In die¬ 
sem Falle ist noch weniger an eine Unterscheidung der Formen 
zu denken, und nur auf eine vage Unterscheidung des Lichten 
und Dunkeln vermöge des Lichtes, welches den Pigmentüberzug, 
zu durchdringen vermag, zu rechnen. R. Wagner (Vergl. Anal. 
1. 428.) der selbst an frischen Exemplaren von Nereiden, die pa- 
pillenförmige Anschwellung des Sehnerven und keine durchsichti¬ 
gen Organe erkannte, glaubte an Hirudo medicinalis hei jungen 
eben ausgeschlüpften Thieren, auch durchsichtige Theile, und an 
dem glockenförmigen, lose mit rothen Pigmentkörnchen überstreu-
        

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