Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/310/
304 V. Euch. Van Jan Simien. I. Abschn. Vom Gesichtssinn. 
Unterschiede der Zahlen beider 
s\ // Wellen, 3, 4, 5, 0 ganze Wellen 
{// \W—■// —-y/ betragen. Denn in diesem Falle 
werden die Wellenberge immer mit 
den Wellenbergen, die Wellentliä- 
ler mit den Wellenthalern coinci- 
diren. Hat hingegen der eine 
der in einem Punct znsammen- 
kommenden Strahlen nur die Hallte einer ganzen Welle mehr 
zurüekgelegt, als der andere Strahl, so fallt die verdünnte Hälfte 
einer VVelle, oder das Wellenthal des einen Strahls in die 
verdichtete Hälfte der Welle oder den Wellenberg des andern 
Strahls, wie in beistehender Figur versinnlicht ist; die Verdün¬ 
nung der einen und die Verdich- 
tung der andern Welle heben sich 
gegenseitig auf, dann wird diese Stelle 
dunkel erscheinen. Sind die Unterschiede der Zahl der Wellen 
beider Strahlen kleiner als eine ganze Welle, aber grösser als eine 
halbe Welle, oder grösser als eine ganze VVelle, aber kleiner als 
zwei Wellen, so werden sich die Bewegungen von beiderlei Strah¬ 
len mehr oder weniger stören. Man sieht leicht ein, wie diese 
Erscheinungen die Gelegenheit an die Hand geben mussten, diu 
Breite der Liehtwellen für die verschiedenen Farben durch Berech¬ 
nung zu finden. Die dunkeln und hellen Linien haben übrigens 
bei verschiedenem farbigem Lichte, mit dem der Versuch ange¬ 
stellt wird, eine verschiedene Lage. 
In dem vorher erläuterten Falle waren die zur Interferenz 
gebrachten Lichtstrahlen homogenes farbiges Licht, das von einem 
Puncte ausging. Bei Anwendung des weissen Lichtes, zum Versuch, 
kommen die eigentlichen Farbenphänomene zum Vorschein, um 
welche es sich für unsern Zweck handelt. Man sieht nämlich, 
statt der abwechselnd homogenen farbigen und dunkeln, dann 
Streifen, die mit den lebhaftesten homogenen Farben prangen. 
Die Erklärung folgt aus derjenigen des vorhergehenden Versuchs. 
Da die Wellen, von jeder im weissen Lieht enthaltenen Farbe, 
ungleich breit sind, so wird jede der Ilauptlarben des weissen 
Lichtes ihre eigenen, verschieden gelegenen hellen und dunkeln 
Streifen haben, wie es im vorhergehenden Versuch von einer 
Farbe erläutert wurde. 
Aus der Erklärung der Farben durch Interferenz lassen sich 
am leichtesten die Farben ableiten, die man in dünnen Plättchen 
von Körpern mit sehr feiubiättriger Structur, und an sehr 
fein gefurchten Oberflächen wahrnimmt. Es ist eine bekannte 
Erscheinung, dass die vordere oder die hintere Fläche eines durch¬ 
sichtigen Körpers Licht rellectirt. Ein senkrecht auf ein dünnes 
durchscheinendes Blättchen geworfenerStrahl wird zum Theil von 
der vordem, zum Theil von der hintern Fläche reflectirt, der 
letzte und der erste Theil des Strahls fallen bei der Beflexion in 
eins zusammen, und müssen, wenn der Unterschied ihres Weges 
klein genug war, ein Interferenzphänomen erzeugen. Dasselbe 
gilt von schief auffallenden Strahlen. Denn mit dem von der vor-
        

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