Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/287/
1. Phys. Bedingungen der Bilder. Mögliche Sehorgane. 281 
das Liclit seyn. Selbst die Pflanzen reagiren stark genug dagegen, 
indem sie bei ihrer Ausbreitung es aut’sucbcn und ibm entgegen 
wachsen. 
Die Noth Wendigkeit besonderer Nerven mit speeifiseber Sen¬ 
sibilität zum Lichtempfiuden, wird auch durch die wirkliche Exi¬ 
stenz von Augen bei vielen der niedersten Tbiere erwiesen. Viele 
Anneliden, wie mehrere Nereiden, mehrere Arten Eunice, Pbyllo- 
doce, Spio, Nais, fast alle Hirudineen, Aphrodite heptaeera haben 
dunkle Augenpunkte am Kopfe. Eine den Sabellen zunächst ste¬ 
hende, von Ehrenberg, Hehle und mir beobachtete Gattung hat zwei 
solche dunkle Puncte am hintern und vordem Ende des Körpei’s. 
Sie kriecht rückwärts und vorwärts. Hirudo medicmalis hat wie 
E. H. Weber zeigte, zehn dunkle Augenpunkte am Kopfe, die man 
beim Embryo des Thiers von dem noch durchsichtigen Körper 
deutlich unterscheidet. Die Planarien haben durch Pigment 
ausgezeichnete Augenflecke am Kopfe. Bei mehreren Cerea¬ 
lien und Rotiferen sind dergleichen Augenpuncte von Nitzsch, 
Dutrochet, Gruitiiuisen, Ehrenberg beobachtet. Der letztere 
Forscher hat die Existenz solcher Pigmente oder Augenpuncte bei 
vielen Infusorien, und anch bei den Seesternen am Ende ihrer 
Strahlen, welche sie heim Schwimmen erlichen, entdeckt, ja sogar 
bei den Medusen die gleiche Bedeutung der Pigmentorgane am 
Bande der Scheibe wahrscheinlich gemacht. Mueller’s yjrchio 
18-14. Bei den Anneliden sind die Sehnerven in jenen Augen- 
puueten von mir nachgewiesen worden. {Ann. d. sc. naf. XXII. 
11).) Und Ehrenberg hat gezeigt, dass die Nerven der Strahlen 
der Asterien bis zu den Augenpuncten am Ende der Strahlen hin¬ 
gehen. 
Gruithuisen (Isis 1820. 251.) nimmt an, dass jede dunkle 
Stelle der Haut einigermassen mit der Natur eines Sehorganes in 
Beziehung stehe, weil sie mehr Licht absorhirt. Dies ist offenbar un¬ 
richtig; denn die erste Bedingung zum Sehen ist die specifische 
Sensibilität des Nerven und dass der zum Sehen dienende Nerve 
kein Gefühlsnerve sei. 
Ferner beweist gerade der Bau der Augen hei den "Würmern, 
dass selbst zum einfachen Unterscheiden des Tages von der Nacht 
noch ein besonderer Nerve und ein Organ noting ist. Denn nach 
meinen Untersuchungen über den Bau der Augen bei den Anne¬ 
liden geht hervor, dass die Augen dieser Thicre durchaus keine 
optischen Werkzeuge für die Sonderung des Lichtes enthalten, 
und also auch nichts Bestimmtes unterscheiden können. Innerhalb 
der becherförmigen Choroidea, der von mir untersuchten Nereis- 
Art ist keine Linse und keine Spur der lichtsondernden Organe 
der Insecten enthalten. Vielmehr ist der von der Choroidea um¬ 
gebene Körper nur der Bulbus nervi optici selbst. Die Natur 
hat also, wo es auf die blosse Unterscheidung von Tag und Nacht 
ankommt, noch Organe dazu gebildet, und diese Bedeutung mö¬ 
gen wohl auch die Augenpunkte der Planarien, Asterien, Rotiferen 
und Infusorien haben. 
Eine zweite kritische Bemerkung, die wir hier machen müssen, 
betrifft die aus Unkenntniss der physikalischen Bedingungen zum 
19 *
        

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