Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/272/
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V. Buch. l'on den Sinnen. 
die Slösse empfangt, n ie cs der Gehörnerve durch seine Ausbrei¬ 
tung auf tien Theilen vermag, welche das Labyrinthwasser ent¬ 
halten. Der Sehnerve befindet sich nicht unter den Bedin- 
gungen, Schwingungen von der Art, wie die eines tönenden Kör¬ 
pers fortzupflanzen oder aufzunehmen, und müsste derselbe, wie 
der Gehörnerve, auf Membranen sich ausbreiten, welche sackartig 
mit Wasser gefüllt, und auch von aussen mit Wasser umgeben, 
mit einem, die Schwingungen leitenden Apparat in Verbindung 
stehen. Wäre der Sehnerve der Perception der Schwingun¬ 
gen wie der Gehörnerve und Gefühlsnerve fähig, so müsste eine 
auf die Nervenbaut des Auges durch die Luft verpflanzte Schwin¬ 
gung eines Körpers, wie am Gehörorgan Ton, so hier eine all¬ 
gemeine Lichtempfindung hervorrufen. Ich habe schon gele¬ 
gentlich erwähnt, dass die Stösse einer Stimmgabel, wenn sie 
den Bulbus oculi berühren, nicht hinreichen, die eigenthümliche 
Empfindung des Sehnerven im Dunkeln anzuregen. Die Ursache 
des Nichterfolges kann in der Schwäche dieser Stösse oder in 
ihrer Langsamkeit liegen. Die Schwäche der Stösse, welche die 
Nervenhaut nicht unmittelbar treffen, mag wohl ein Hauptgrund 
seyn ; denn ein starker Stoss auf den jenigen Theil des Auges, wo die 
Nervenhaut sich befindet, bewirkt ja die Lichtempfindung. Viel¬ 
leicht werden auch sehr sch wache Slösse, wenn sie mit viel grösse¬ 
rer Schnelligkeit wiederholt die Nervenhaut selbst berühren, Licht¬ 
empfindung erregen. Unter diesen Gesichtspunkt kommen die 
Wirkungen des äussern Lichtes auf das Auge; dessen mechanische 
Wirkung durch Oscillationen bei dem jetzigen Zustande der 
Physik an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat (Undulationstheorie). 
Schon Newton hat die Lehre von den Undulationen des Lichtes 
auf das Sehen angewandt, und das Sehen daraus erklärt. Opt. 
cjdaest. 12. Nach der Undulationstheorie werden die Farben aus 
der Schnelligkeit der Vibrationen und den Lichtwellen erklärt. 
D ie Lichtwellen, welche die Empfindung des Blauen hervorrufen, 
sind die kürzesten, nach Herschf.l beträgt ihre Länge 16,7 Mil- 
liontbeile engl. Zoll, ihre Anzahl in einer Sekunde 727 Billio¬ 
nen, die Lichtwellen des Roths sind die längsten 26,7 Milliontheile 
Zoll, Anzahl in der Sekunde 458 Billionen. Gehler’s physik. 
IVörierb. VI. I. 349. Die Schwingungen der Körper, welche 
Töne in uns hervorbringen, sind viel langsamer. Die Luftsäule 
der 32 fiissigen Pfeife der Orgel macht 32 Sch wingungen in einer 
Sekunde. Nach Savart werden schon Töne wahrnehmbar, die 
nur 7 —.8 Schläge in der Sekunde machen und wenn jede 
Schwinsmna; einen Eindruck von TV Sekunde macht. 
Von chemischen W irkungen werden wir durch mehrere Sinne 
unterrichtet, hauptsächlich durch den Geruch, den Geschmack, 
das Gefühl, durch jeden dieser Sinne in der ihm cigenthümlichen 
Energie. Flüchtige, die Nerven chemisch umstimmende Körper 
wirken zwar auf das Geruchsorgan am stärksten und manche 
Stoffe wirken auf dasselbe, welche auf das Geschmacksorgan und 
Gefühlsorgan keinen Eindruck hervorbringen, wie viele Riechstoffe, 
namentlich z. B. die Ausdünstungen der Metalle, des Bleies, vieler 
Mineralien u, a. Aber im Allgemeinen lässt sich nicht behaupten
        

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