Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/259/
Not luvendige Vorbegriffe. 
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auf einander Moss oder kaum ein Geräusch bilden würden, werden 
durch Folge auf einander zum Ton; der Impuls ist auch ein me¬ 
chanischer. Angenommen, dass die Lichtmaterie durch mecha¬ 
nische Oscillationen auf die Körper wirkt (Undulationstlieorie), so 
haben wir hier wieder ein Beispiel, dass Schwingungen auf ver¬ 
schiedene Sinne verschieden wirken. Sie bewirken im Auge die 
Lichtempfindung, in andern Sinnen nicht, in den Gefühlsnerven 
die Empfindung der Wärme. 
Der electrische Reiz kann als zweites Beispiel dienen, dass 
derselbe Reiz in den verschiedenen Sinnesnerven verschiedene 
Empfindungen hervorruft. Schon ein einfaches Plattenpaar von 
heterogenen Metallen, mit dem Auge kettenartig verbunden erregt 
im Dunkeln die Empfindung eines hellen blitzähnlichen Scheins; 
selbst wenn das Auge ausser dem Strom liegt, wenn es nur nicht 
zu weit davon entfernt ist, entsteht die Empfindung durch Ablei¬ 
tung eines Theils des Stroms auf das Auge. So z. B. wenn die 
eine Platte an das Innere eines Augenliedes, die andere an das 
Innere des Mundes angelegt wird. Stärkere electrische Reize be¬ 
wirken viel heftigere Lichtempfindungen. Im Gehörorgan, erregt 
der electrische Reiz die Gehörempfindung. Volta empfand, als 
sich seine Ohren in der Kette einer Säule von 40 Plattenpaaren 
befanden, nach der Schliessung ein Zischen und stossweises Ge¬ 
räusch, welches die ganze Zeit der Schliessung fortdauerte. Phi- 
los. transart. 1800 p. 427. Ritter empfand bei Schliessung der 
Kette einen Ton wie G der eingestrichenen Octave, oder g. 
Die Reibungselcctricität der Maschine erregt m den Geruchs¬ 
nerven einen phospborigen Geruch, die Armirung der Zunge mit 
heterogenen Metallen erregt einen sauren oder salzigen Geschmack 
je nach der Lage der Platten, wovon die eine über, die andere 
unter der Zunge applicirt wird. Die Erklärung dieser Erschei¬ 
nung aus der blossen Zersetzung der Speichelsalze dürfte schon 
nach dem bereits von andern Sinnen angeführten nicht hinreichen. 
Die Wirkungen der Eleetricität auf die Gefühlsnerven sind 
hinwieder weder Lichtem|ifindung, noch Gehörempfindung, noch 
Geruchs- noch Geschmacksempfindung, sondern die diesen Nerven, 
eigenen Empfindungen des Stechens, Schlagens u. s: w. 
Chemische Einflüsse wirken wahrscheinlich auch verschie¬ 
den auf die verschiedenen Sinnesnei'ven. Natürlich bat man da¬ 
rüber nur wenig Erfahrungen;, bekannt ist, dass chemische Ein¬ 
flüsse in den Gefühlsnerven der Haut Gefühlseindrücke, wie Bren¬ 
nen, Schmerz, Wärmeempfindung, in dem Geschmacksorgane Ge¬ 
schmacksempfindungen und wenn sie flüchtig, in den Geruchsner¬ 
ven Geruchsempfindung erregen. Auf die höheren Sinnesnerven 
können wir auf mehr unschädliche Weise nur durch ins Blut auf¬ 
genommene Stoffe chemisch wirken. Auf diese Weise wirken sie 
auch in jedem Sinnesnerven, den Eigenschaften desselben gemäss.. 
Dahin gehören die Wirkungen der Narcotica welche bekanntlich 
subjective Gesichts- und Gehörphänomene erzeugen. 
IV. Die eigenthümlichen Empfindungen jedes Sinnesneroeti klei¬ 
nen durch mehrere innere und äussere Einflüsse zugleich hervor g eru- 
fen werden.
        

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