Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/238/
234 IV. Buch. Bewegung. Ill.Abschn. Von d. Stimme u. Sprache. 
Sch, ein sehr bestimmter und einfacher Laut, wofür un¬ 
sere Sprachen kein besonderes Zeichen haben. Das che der 
Fianzosen. Die Zäbue der obern und untern Kinnlade sind 
sieb genähert oder liegen sogar auf einander, die Zunge steht 
hinter den Zähnen mit ihrer Spitze, ohne sie zu berühren, ln 
Westphalen verwechselt man diesen einfachen Laut mit 0/. 
S. Die Zähne sind einander genähert, oder berühren sich, 
die Zungenspitze berührt die untere Zahnreihe. Eine Modifica¬ 
tion ist das 1h der Engländer. Das lispelnde s ist fehlerhaft. 
B. Die Zunge vibrirt gegen den Gaumen. Nicht jeder Zit¬ 
terlaut ist R, beim Brummen mit vibrirenden Lippen kömmt z. B. 
kein R heraus. Haller stellte sich die Vibrationen der Zunge 
beim R als ebensoviel willkührliche Bewegungen vor und wollte 
daraus die Schnelligkeit der Nervenwirkung berechnen; diess ist 
aber, offenbar ein Missverständnis, denn die Vibrationen sind hier¬ 
bei blosse, durch den Luftstrom an der widerstrebenden Zunge 
bewirkte Bebungen und so wenig einzelne willkührliche Acte, als 
das Beben der Lippen beim Brummen auf den Lippen. 
Es giebt zwei R. 
1) Das reine oder Zungen-R; hier ist die Zunge der vibri- 
rende Theil und das Gaumensegel ruhig. 
2) Das Gaumensegel - R ; hier ist die Zunge ruhig und das 
Gaumensegel vibrirt. Bei Franzosen häufig als Angewöhnung. 
Das R fehlt im Chinesischen. 
L. Die Zungenspitze liegt am Gaumen dicht an, die Luft 
geht nur auf beiden Seilen zwischen Zunge und Wangen durch. 
Man kann es auch auf einer Seite allein bilden. Dieser Laut 
fehlt in der Zendsprache. 
Kempelen rechnet einige dieser Laute unter die Stimmmil- 
lauter, weil die Stimme dabei mitlöne, wie das R, L; indess kön¬ 
nen sie alle stumm angegeben werden ; durch Mittönen der Stimme 
werden sie nur modificirt, was bei dem leisen Beden jedoch nicht 
in Betracht kömmt. 
III. Stumme Consonant en mit St répit us explosions. 
Es gehören hieher das ß, y, d, und ihre Modificationen, das 
fr, x, 1. Es sind die Explosivae von Amman. 
Die Stellung der Mundtheile, die zur Bildung dieser Conso- 
nanten dienen, ändert sich plötzlich; die Bildung beginnt mit 
Schluss des Mundes und endigt mit Oeffnung desselben. Daher 
können diese Consonanten nicht ad libitum verlängert werden, 
der Laut hört auf, sobald der Mund geöflnet ist. 
1. Explosivae sirnp/ices h, d, g [Gamma). 
B, ß. Der Mund ist durch die Lippen geschlossen und öff¬ 
net sich mit Durchgang des AVindes. 
1), ö. Der Mund ist durch die an den vordem Theil des 
Gaumens oder an die obere Zahnreihe angelegte Zunge geschlos¬ 
sen und öffnet sich mit Durchgang des Windes, 
G, y. Die Mundhöhle ist weiter hinten durch Anlegen des 
Lintern Zungenrückens au den Gaumen geschlossen und öffnet 
sich mit Durchgang des Windes, Nur das Gamma in Gang, ging.
        

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