Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/233/
.3. Von der Sprache. 
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zeigt uns keine Organe, von welchen man diese Töne mit Sicherheit 
ableiten könnte. Sollte der eigentümliche Muskel der Schwimm¬ 
blase hei diesen Thiereu Antheil an jener Tonerzeugung haben? 
Die Cottus, welche heim Druck auf ihren Körper einen Ton 
hören lassen, haben nicht einmal eine Schwimmblase. Unter 
den Sciaenoiden gieht es mehrere Fische, welche Töne ge¬ 
hen, am meisten bekannt sind jedoch Corvina ronchus und 
die Pogonias, welche letztere sich den Namen der Tamhoure 
erworben haben. Sie bringen anhaltende Töne unter dem 
Wasser hervor; Cuvier und Valenciennes haben die hieher ge¬ 
hörigen Beobachtungen von Mitciiill, White, Schoepe-, A. v. 
Humboldt zusammengestellt. Die Schwimmblase dieser Thiere, 
welche Cuvier und Valenciennes abbildeten, ist sehr gross wie 
bei den meisten Sciaenoiden, die einen Ton geben, mit star¬ 
ken Muskeln bedeckt, und hat Anhänge, die nach Cuviee zwi¬ 
schen den Rippen in das Fleisch eindringen. Bei einem Po¬ 
gonias fasciatus, den ich untersuchte, waren leider Eingeweide 
und Schwimmblase ausgenommen. An den Rippen sassen inwen¬ 
dig bandartige Streifen an, welche wahrscheinlich von der Schwimm¬ 
blase abgerissen waren, sie waren jedoch nicht hohl. Ausseror¬ 
dentlich stark sind die Pflasterzähne der oberen und unteren 
Schlundknochen dieser Thiere. 
Ueber die von der Sphinx alropos hervorgebrachten Töne 
und die summenden Töne der Dipteren findet man hinreichende 
Aufschlüsse bei R. Wagner, Muell. Arch. 1836, und Burmeister 
in Poggend. Ann. XXXVIII. Auch die Acheta domestica und die 
Locusten geben Töne von sich, vergl. Cuv. regn. ani.ni. 5. 184. 
III. Capiiel. Von der Sprache. 
Ausser den in dem Stimmorgan gebildeten Tönen von mu¬ 
sikalischem Werthe gieht es noch eine grosse Anzahl durch das 
Ansatzrohr des Stimmorgans hervorzubringender Laute oder Ge¬ 
räusche, durch deren Verbindung mit einander die Sprache ent¬ 
steht, indem gewisse Verbindungen dieser Laute zur Bezeichnung 
von Gegenständen, Eigenschaften, Thätigkeiten, Beziehungen die¬ 
nen. Die Sprachen benutzen nicht alle auf diese Art möglichen 
Geräusche und Laute, weil ihre Verbindung mit anderen oft schwer 
ist. Diejenigen, deren Verbindung leicht ist, finden sich zum gros¬ 
sen Theil in den meisten Sprachen. Jede Sprache enthält eine 
gewisse Anzahl dieser möglichen Laute, niemals finden sich alle 
möglichen Laute in einer Sprache vereinigt; vielmehr entstehen 
charakteristische Unterschiede in den Sprachen, in sofern die 
einzelnen Sprachen gewisse Classen dieser Laute oder einzelne 
derselben vorzugsweise, andere sparsam oder gar nicht anwen¬ 
den. Von der Physiologie ist das natürliche System dieser 
Laute aufzustellen. Die Versuche dazu von Seiten der Gram¬ 
matik sind durchweg unzureichend, indem man bei der Einthei- 
lung der Laute von unwesentlichen Eigenschaften derselben aus¬ 
ging. Die Eintheilung der Laute nach den Organen, z. B. in
        

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