Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/124/
120 IV. Buch. Bewegung. II. Alschn. V. den verschied. Muskelbewcgg. 
oLen B. I. 2. Aufl. p. 298. Da dieses Org an im obcrn Theil der 
Bauchhöhle liegt, wo wegen der starken Rücken- und Seiten¬ 
muskeln sonst der Schw’crpunct des Fisclies liegen würde, so 
dient es auch dazu, dass die Fische aufrecht iin Wasser sich erkal¬ 
ten, obgleich es hierzu nicht unumgänglich nothwendig ist. Fi¬ 
sche, deren Schwimmblase zerrissen ist, kommen nicht mehr an 
die Oberfläche des Wassers und fallen leicht auf die Seite. 
Fliegen. (Borelt.i a. a. O., Cuvier Vergl. Ana/. I. p. JO., 
Fuss Net>. act. soc. sc. Fcirop. XV. 1806., Sii.berscht.ag Schrif¬ 
ten der Herl. Ges. naturf Freunde. 1781. II., Horner in Gehiær’s 
phfsik. Wort erb. IV. p. 477.) 
Der klug beruht darauf, dass die sich blattartig ausbreiten- 
den vorderen Extremitäten eines Thiers mit möglichst grosser Ober¬ 
fläche auf die Luit schlagend wirken. Die durch ihren Wider¬ 
stand und durch ihre Elasticität gegen die ihr mitzutheilende 
Bewegung rückwirkende Luft ist die Ursache, dass der Kör¬ 
per des Thiers gehoben wird. Die Ausführung einer solchen 
Bewegung erfordert eine ausserordentliche Verstärkung der 
Brustmuskeln, einen eigentbümlichen Bau der Brust, welche in 
ihrem Rückcntheil unbeweglich ist, und durch den Kiel des 
Brustbeins einen grossen Raum zum Ansatz der Pectoralmuskeln 
darbietet, während die Schultergelenke nicht bloss durch die 
starken Schlüsselbeine, sondern auch durch die beide Schulter- 
gelenke verbindende Gabel eine Stütze erhalten. Würde die Re¬ 
position des Flügels in die Stellung zum Schlagen mit gleich gros¬ 
ser Oberfläche, wie beim Schlagen geschehen, so würde die Wir¬ 
kung wieder aufgehoben werden ; indem aber der Vogel den Flü¬ 
gel nach jedem Schlag zusammenschlägt und ihn dann wieder 
ausbreitet, wird die Projection in einer Richtung möglich. Da¬ 
mit der Flügel beim Schlag nicht nachgebe gegen den Wider¬ 
stand der Luft und steif ausgedehnt wirke, ist es noting, dass die 
Beugung und Streckung der Hand gegen den Vorderarm wegfalle. 
Die Hand des \ogels ist nur der Abduction und Adduction fähig, 
Bewegungen, durch welche die Hand bald gegen den Vorderarm 
umgeschlagen und angelegt, bald entfaltet wird. Eine Folge von 
Schlägen der Flügel führt den Vogel hei wagereebter Stellung 
der Flügel senkrecht in die Höhe, wie es bei den Lerchen der 
Fall ist. Bei einer geneigten Lage der Flügel, wo seine untere 
Fläche zugleich nach hinten sieht, muss der Vogel schief auf¬ 
steigen, der Wurflinie folgen und in ähnlicher schiefer Richtung 
fallen, als er aufgestiegen ist; bei regelmässig wiederholtem Schlag 
der Flügel wird er in einer Wellenlinie horizontal fortscbweben. 
Die Neigung der Flügel zu der horizontalen Bewegung braucht 
jedoch nicht stark zu seyn, denn selbst bei einem wagerechten 
Schlag des ITügels müssen die biegsamen Schwungfedern durch 
den Widerstand der Luft sogleich eine schiefe Ebene gegen den 
vordem nicht beweglichen Band des Flügels bilden. Borelli 
bat schon diesen Einfluss nachgewiesen. Beugungen des Flügels 
nach der Seite geschehen durch ungleiche Schwingungen beider 
Flügel, nicht durch Seitwärtsheugung des Schwanzes, indem Tau¬ 
ben, der Schwanzfedern beraubt, noch gut zu schwenken verste-
        

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