Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17252/123/
■J. Ortsbewegungen. Schwimmen. 
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zu Stande, dass die Reposition des Ruders entweder in der Luft 
und nicht im Wasser, oder, wenn im Wasser, mit der Schneide 
des Ruders geschieht. In demselben Fall befinden sicli die Schwim¬ 
mer mit Füssen. Die Reposition der Hände und Füsse geschieht 
so, dass sie mit kleinerer Fläche aut' das Wasser drücken, als hei 
der Schwimmbewegung. Der Mensch bringt die Arme mit schnei¬ 
dendem Rande der Finger in ihre Stellung und wirkt auf das 
Wasser mit der Fläche der Hände. Auch beim Schwimmen der 
Vierfüsser ohne breite Hand, wie beim Pferd, ist die Wirkung 
der biisse beim Schlagen des Wassers grösser als bei der Repo¬ 
sition und darum kommen sie vorwärts; beim Rückwärtsbewegen 
ihrer Beine wirken sie mit einer grossen Oberfläche derselben, 
beim Vorstrecken ist die Oberfläche, womit sie auf das Wasser 
stossen, viel kleiner. Die Vierfüsser sind meist von Natur Schwim¬ 
mer, weil sie die Beine beim Schwimmen in ähnlicher Art wie 
beim Gehen brauchen und weil sie bei der Länge der Schnautze 
und Kleinheit des Hirnschädels, durch Erheben der Schnautze 
das Luftloch zum Athmen so hoch stellen können, dass es den 
obersten Theil über dem Wasser bildet. Beim Menschen liegt 
der Eingang in die Athemwerkzeuge, nur wenn er auf dem 
Rücken im Wasser liegt, oben; der Mensch muss überdiess eine 
ihm nicht gewöhnliche zweckmässige Bewegung der Arme und 
Beine zum Schwimmen erst lernen, nämlich diejenige, w'obei die 
Reposition der Extremitäten in ihre Stellung zum Schlag mit klei¬ 
nerer Oberfläche auf das Wasser wirkt, als die Schwimmbewegung 
derselben. Zur Erhaltung auf der Oberfläche des Wassers ist bei 
dem geübten Schwimmer ausser dem Einathmen nur eine geringe 
Bewegung noting; er wird getragen so lange als seine von Luft 
ausgedehnten Lungen ihn leichter machen als das Wasser. Der 
Mensch ist, wie die Thiere, an sich schwerer als das Wasser, und 
sinkt darin, wenn er keine Bewegung dagegen macht, von selbst un¬ 
ter, sobald er ausathmet. So lange seine Brust aber von Luft weit aus¬ 
gedehnt ist, erhält er sich, wenn der Körper ausgestreckt auf dem 
Piücken liegt. Würden wir nicht nöthig haben auszuathmen, wür¬ 
den wir die Brust in Einem fort von Luft ausgedehnt erhalten kön¬ 
nen, so würden wir auch ohne alle Bewegungen nicht untergehen. 
So aber müssen wir das beim Ausathmen regelmässig erfolgende 
Sinken durch Bewegungen, durch Stossen gegen das Wasser nach 
unten, corrigiren. Die Vögel werden auf dem Wasser erhalten, 
wegen der Luft, welche ihre mit den Lungen communicirenden 
Unterleibszellen und ihre Knochen enthalten. Zum Tauchen 
haben die Vögel nöthig stark auszuathmen. Die Schwimmvögel 
brauchen ihre Füsse als Ruder, die Schwäne bedienen sich ihrer 
ausgespannten Flügel auch zum Segeln. 
Die Schwimmblase vieler Fische, welche sich nach v. Baer’s 
Untersuchung (Mueller’s /Irchio 1835. p. 231.) wie die Lunge aus 
dem Schlund entwickelt, erleichtert das Schwimmen in den oberen 
Regionen des Wassers, und durch die Zusammendrückbarkeit der 
in jllr enthaltenen Luft vermöge der Seitenmuskeln sind die Fische 
fähig, in verschiedenen Höhen, je nach dem grossem oder geringem 
Druck zu schweben. Ueber die Structur der Schwimmblase siehe
        

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