Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/94/
Wärmeerzeugung. Ursachen. 
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Luft athmen, eine Verminderung ihrer Temperatur stattfindet, 
dass auch das Lufteinbinsen durch Erschwerung desAthmens die 
Temperatur vermindert, und dass das stärkste Erkalten immer 
dein geringsten Verbrauche von Sauerstoffgas entspricht. Emwert 
fand "hei Wiederholung der BflODiE’schen Versuche mit Giften 
und Lufteinblasén nur eine Temperaturveränderung von 3° R. in 
74 Min. Meckel’s Archiv 1. 184. Wilson Philipp (Untersuchungen 
über die Gesetze der Functionen des Lehens, übersetzt von Sonthei- 
mER Stuttg. 1822.) fand, dass eine zu frequente künstliche Re¬ 
spiration schnell abkühlt, während eine gemässigte die Abkühlung 
verlangsamt. Indessen sind Brodie’s Versuche in der Hauptsa¬ 
che beweisend. Er hat gezeigt, dass gesunde Kaninchen in ^ 
Stunde 28,22 K. Z. kohlensaure Luft ausathmen, dass Kaninchen, 
hei denen nach Vergiftung oder Zerstörung der Medulla oblon¬ 
gata das Athmen künstlich unterhalten wird, in \ Stunde noch 
20,24 bis 25,55, bis 28,27 l\. Z. kohlensaures Gas ausathmen, 
dass also bei gesunden Kaninchen und bei getödteten mit künst¬ 
lichem Athmen die Produkte des Athmens fast dieselben sind, 
und dass gleichwohl ein Kaninchen nach Durchschneidung der 
Medulla oblongata in einer Stunde 6° Wärme verliert. Vergl. 
über Brodie’s Versuche Nasse’s Bemerkungen in Reil’s Archiv 
12. p. 404. 
Chaussat (Meckel’s Archiv 7. 282.) fand das beständige Sin¬ 
ken der Temperatur bei Thieren, die auf dem Rücken liegend 
befestigt sind, nicht bestätigt bei Hunden, er fand dagegen Bro- 
die’s Beobachtungen bestätigt. Nach Verletzung des Gehirns sa nk 
die Temperatur in der 11. — 22. Stunde bis zum Tode von 40° 
auf 24° Cent. Die Durchschneidung des Nervus vagus, welche, 
ohne dass der chemische Athemprocess wesentlich verändert 
wird, nach Legallois durch Infiltration der Lungen mit Blut 
oder Serum töc’.tet, bewirkt Sinken der Temperatur, während 
12—36Stunden zu 36—37°, zuletzt bis zu 20° Cent. Bei allen 
diesen Versuchen ist leider die Temperatur der atmosphärischen 
Luft nicht angegeben. Bei Verletzungen des Piückenmarkes an 
verschiedenen Stellen zeigte sich der Einfluss um so grösser, je 
hoher die Verletzung stattfand, so dass die Folgen im Verhält¬ 
nisse der Zahl der unter der Verletzung vom Rückenmarke ab¬ 
gehenden Nerven steigen, was im Allgemeinen auch für die an¬ 
deren Folgen der Rückenmarksverletzungen gilt. 
Ciiaussat sucht zuletzt zu beweisen, dass auch der Nervus 
sympathicus einen grossen Antheil an der thierischen Wärme 
habe; denn er fand nach Verletzung des Nervus splanchnicus auf 
der linken Seite, die er mit Exstirpation der Nebenniere (bei ei¬ 
ner nicht zu grossen Wunde?) bewirkt haben will, dass die Tem¬ 
peratur in 10 Stunden oder bis zum Tode von 4ö,19 bis 26° C. 
fort und fort sank. Ferner unterband Chaussat bei einem Hunde 
die Aorta am Aortenschlitz und mass den Unterschied der Tem- 
peratur in der obern und untern Hälfte des Thieres; die Speise¬ 
röhre zeigte hei dem wiederholten Versuch bis zum Tod eine et¬ 
was geringere Temperatur als der Mastdarm. Diesen geringen 
Unterschied rechnete Ciiaussat auf die beim Athmen stattfin-
        

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